Piper 2018
Piper 2018

Sandrone Dazieri – Schwarzer Engel

 

Hervorragende Fortsetzung

 

War schon der erste Thriller um das kongeniale und mit ausgeprägten „Schattenseiten“ versehene Ermittlerpaar Colombia Caselli und Dante Torre (eine Art traumatisierter Sherlock Homes mit besonderen Fähigkeiten, was Körpersprache angeht, aufgrund seiner dramatischen Gefangenschaft über lange Jahre hinweg) hervorragend zu lesen, so knüpft diese Fortsetzung nahtlos an die Qualität an.

 

Sowohl, was die Gestaltung der Protagonisten angeht (auch wenn es eine Weile dauert, die vielen Nebenpersonen gerade auf Polizei-Seite namentlich in den Griff zu bekommen) mit ihren Licht- und Schattenseiten (samt tiefsitzender Ängste), wie auch, was den Fall angeht (ausgehend von einer allgegenwärtigen Bedrohungslage durch den Terrorismus der Gegenwart) setzt Sandrone Dazierei wieder ein Ausrufezeichen hinter seinen an sich schon hervorragenden Ruf als Autor in Italien.

 

Flüssig, mit Tempo, vor allem aber mit einem intuitiv durchgehend passenden Timing versehen führt Dazieri den Leser inmitten eines perfiden Anschlags, vermittelt gekonnt die Angst der Ermittler, die persönliche Bedrohung, die deduktive Ermittlungsarbeit gerade zu Beginn des Falles und paart dies ebenfalls überaus realistisch mit der innere Nervosität der aktuellen Lage vor allem gegenüber der islamischen Kultur inmitten des „zivilisierten“ Westens.

 

Schon die erste Szene an einer als Moschee genutzten alten Turnhalle zeigt die Gereiztheit, die losen Finger an den Abzügen, die Bereitschaft zu unmittelbaren Gewalt und die angeheizte Stimmung inmitten der Gesellschaft und zu denen, die als Polizisten für deren Schutz zu sorgen haben.

 

„Sehen sie diese Männer, Imam? Ich bin auch nicht ihr Chef und kann sie nur mit Mühe zurückhalten. Wollen sie wirklich, dass einem ihrer Gläubigen etwas zustößt? Ich bitte sie. Es sind auch Kinder darunter“.

 

Dass dabei Clombia und Dante noch einmal Sonderfälle darstellen, einerseits klar erkennbar eher Einzelgänger sind, andererseits versuchen, jeweilige „Lagen“ mit zu entschärfen und Vernunft walten zu lassen, bringt auch diese beiden leicht und schnell in Reibung mit den Kollegen.

 

Eine Gemeingelage, die es der Person hinter dem perfiden Anschlag in einem Zug im Bahnhof zunächst leicht macht, sich hinter vordergründigen „Bekennervideos“ zu verschanzen. Wenn nicht Dante Torres mit seinem ganz speziell und in persönlichem Drama geschulten Blick Ungereimtheiten bemerken würde.

 

„Verbrecher…..falsche…..Das ist eine Verschwörung“.

 

Dies aber offiziell auch zu vermitteln, die Hintergründe aufzudecken und die Person hinter all dem aufzuspüren, das setzt einen spannungsreichen Reigen in Gang, der in anregender Ermittlungsarbeit, klar gestalteten Action-Sequenzen und einer zunehmenden Gefahr für die Ermittler selbst kulminiert.

 

Auch wenn Dante zunächst leger nachweist, dass Elvis den Tod John F. Kennedys in Auftrag gegeben hat und damit eine gehörige Portion Distanz zu alltäglichen Verschwörungstheorien herstellt. Nicht immer ist das an den Haaren herbeigezogen……..

 

Eine Spannung, die Dazieri dem Leser emotional dicht vermittelt und die bis zum Finale des Thrillers eine stetig ansteigende Kurve aufweist.

 

 

Ein hervorragender, intelligenter Thriller mit zwei beeindruckenden Hauptpersonen.

 

M.Lehmann-Pape 2018