Manhattan 2013
Manhattan 2013

Sharon Bolton – Dead End

 

Perfide

 

Eigentlich eignet sich die englische Polizistin Lacey Flint gar nicht so recht für einen verdeckten Einsatz. Viel zu schwer fällt es hier, sich selbst in ihrer selbstbewussten Art zurückzuhalten und eine andere Rolle einzunehmen. Was nun allerdings nötig wird. Von der selbstbewussten, vom Leben bereits hart mitgenommenen Polizistin, mutiert sie zu einer schüchternen, offen depressiven jungen Studentin im ersten Semester in Cambridge.

 

Dort treten seit Jahren Selbstmorde besonderer Art auf. Nicht nur in der Menge der Fälle oder der Auswahl der universitären Opfer, auch die gewählten Todesarten sind alles andere als gewöhnlich, von der Selbstverbrennung zum Tod durch den Strick in einem fahrenden Auto.

 

Scheinbar haben zudem zumindest alle jüngsten Opfer unter ähnlichen Alpträumen im Vorfeld gelitten und steif und fest durch die Bank weg behauptet, nachts in ihren Schlafzimmern „Besuch“ erhalten zu haben.

 

Lacey Flints Aufgabe ist zunächst nicht ganz so klar beschrieben. Richtig ermitteln soll sie nicht. Was sie eigentlich hätte stutzig werden lassen müssen, dass sie so im Unklaren gelassen wird und ihre Nase nicht zu tief in die Ereignisse stecken soll.

 

Völlig beschäftigt aber mit ihrer neuen Rolle und den Vorgängen in und um Cambridge, dauert es eine Weile, bis ihr schwant, dass ihre Vorgesetzten vielleicht ganz eigene, verdeckte  Ziele mit ihr verfolgen. Unbedarft zunächst aber gerät sie fast umgehend mit in das Visier dubioser Gestalten, die vielleicht in irgendeiner Form mit zu tun haben mit den gehäuften Selbstmorden. Wie aber sollte das sein? Kann man jemanden in den Selbstmord treiben durch psychischen Terror? Und wenn ja, wie?

 

Fragen, die durch die Lektüre des Buches natürlich Stück für Stück beantwortet werden. Wobei Bolton es aber geschickt verzögert, Licht ins Dunkle zu bringen.

Die persönlichen Bedrohungssituationen von Flint und der ihr zugewiesenen Vertrauensperson in Cambridge, einer Psychologin, sind es zunächst, die den Leser zu fesseln beginnen. Dabei gelingt es der Autorin, eine Atmosphäre subtiler Bedrohung zu schaffen, in welcher der Leser sich lange ebenso wenig wirklich handfest zurechtfindet, wie Lacey Flint und andere Ermittler.

 

Gewürzt mit Beziehungen, die unausgesprochene Spannungen in sich tragen (Flint und ihr Vorgesetzter finden Gefallen aneinander, ohne dies offenkundig werden zu lassen. Auch ein anderer Mann wird für Reize sorgen), so manch falscher Fährte und kurzen Rückblicken in den Ursprung der Geschehnisse herein, liest sich der Thriller spannend und überzeugend bis hin zum ebenfalls Nerven zermürbenden „Show Down“.

Wobei die Auflösung der spannenden Erzählweise gegenüber nicht ganz mithalten kann. Logisch ist das zwar, aber nicht unbedingt neu oder völlig überraschend, was genau hinter all den Ereignissen, Alpträumen und psychischen Bedrängungen steckt.

 

Solide, spannend, gut erzählt, mit überzeugenden Figuren und temporeich dargeboten ist „Dead Ende“ ein durchaus empfehlenswerter Thriller.

 

M.Lehmann-Pape 2013