Manhattan 2014
Manhattan 2014

Sharon Bolton – Ihr Blut so rein

 

Hochspannung

 

Die einzelnen Motives dieses neuen Thrillers von Sharon Bolton sind, jedes für sich gesehen, nicht unbedingt neu.

 

Serienmorde an Kindern. Ein besonders begabter Junge, der durch eine bestimme Art der Fokussierung viel mehr sieht, als „normale“ Menschen. Eine nervlich zerrüttete Polizistin außer Dienst (was niemanden wundert nach den Ereignissen im letzten Fall von Lacey Flint), die ein dunkles Geheimnis in sich trägt. Ein Kollege, der mehr sein will, als eben nur Kollege und der sich fast verzweifelt um Lacey bemüht und eine ermittelnde Chefin, der dieser Fall viel zu nahe geht, als das es gut für alle Beteiligten wäre.

 

In der Melange allerdings, in der Sharon Bolton all diese Motive zusammenführt, sich Zeit lässt für die Entfaltung ihrer Protagonisten (vor allem in den jungen Barney lässt sie den Leser tief eintauchen) und in der ständig schwelenden Bedrohung, die über allen Aktionen und an vielen Orten im Thriller zu spüren ist, packt dieser Thriller den Leser doch ungemein.

 

Könnte es, wie der Prolog andeutet, gar sein, dass Lacey Flint selbst in dieser „behüteten“ Art und Weise männliche Kinder tötet? Will der Täter oder die Täterin Spuren hinterlassen, die auf falsche Fährten führen? Ist Barney nicht viel zu oft alleine im Haus, als dass er nicht umgehend in den Fokus des Täters geraten würde?

 

Barney sieht Zusammenhänge in den Taten und welcher kluge, abenteuerlustige Junge würde hier nicht selbst versuchen, nach dem Rechten zu sehen? Mit sehr, sehr gefährlichen Folgen. Gerade weil es fast jeder sein könnte, der als Mörder in Frage käme. Zunächst.

 

„Im Augenblick gab es hier nur einen elfjährigen Jungen, eine sehr hohe Mauer und ein paar unsichtbare Augen“.

 

Ein Junge, der sich fragt, wo eigentlich seine  Mutter abgeblieben ist und dessen Vater wenig Antworten auf wichtige, greifbar im Raum stehende Fragen gibt.

 

Augen, denen man nicht unbedingt in den Blick geraten sollte.

 

„Dana fragte sich, ob das Klagegeheul der Mutter wohl tatsächlich ein Loch in ihren Kopf bohren könnte, wenn sie es nur lang genug hörte“.

 

Erst im Zusammenspiel zwischen der zerrütteten Lacey Flint und dem klugen Skaterjungen Barney wird ganz langsam Licht ins Dunkle der Morde geraten. Ohne Gewähr, dass die Beteiligten lange genug am Leben bleiben, um ihren Erkenntnis bis zur Auflösung des Falles nachzugehen.

 

„Es heißt, wenn man junges Fleisch schneidet, ist das wie warme Butter“.

 

 

Sehr spannend und überzeugend.

 

M.Lehmann-Pape 2014