Penhaligon 2011
Penhaligon 2011

 

Spencer Quinn – Bernie & Chet

 

Stark auf vier Pfoten

 

Chet besteht nahezu vollständig aus Muskelmasse gepaart mit Mut, aber auch einer manchmal durchgehenden Lust am Leben (und Kaninchen, manchmal auch uralten Hot Dogs). Er hat seine Lieblingsplätze, Kaffeesucht kann er nicht verstehen, sein Getränk ist Wasser, jedes Mal ein perlendes Erlebnis. Im rechten Moment ist Chet jemand, der hellwach bei Sinnen ist und sich durchaus durchzusetzen versteht.

Chet ist eine durchaus eindrucksvolle Gestalt, wenn auch eine Promenadenmischung, aber was solls, solange Bernie zu ihm steht. Und das tut er, Konsequent.

 

Bernie Little war einmal Polizist, aber das ist schon einige Zeit her. Nicht ohne Grund allerdings hat er den Dienst quittiert. Seitdem ist er Privatdetektiv. Inzwischen alleiniger Teilhaber der Detektei, denn seine Partnerin (und ehemalige Ehefrau) hat ihn verlassen samt dem gemeinsamen Sohn Charlie. Seitdem arbeitet Bernie alleine und lebt alleine am Rande der High Valley Wüste. Nicht ganz alleine natürlich, denn Chet ist ihm ein treuer Begleiter. Auch bei den Versuchen Bernies, sich durch Joggen wieder in alte Sportlerform zu bringen, denn die Journalistin Suzie Sanchez würde er schon gerne noch ein wenig beeindrucken. Doch die vielen Zigaretten und die Jahre haben ihm ziemlich zugesetzt, wie Chet feststellt.

Dennoch, Bernie ist sein Herrchen, da geht ihm nichts drüber. Selbst Porsche Fahren hält da nicht wirklich mit, auch wenn es zu Chets und Bernies Vergnügen zählt.

 

Das wird auch nötig werden, dass das so bleibt, denn in willkommener Abwechslung zu seinem sonstigen Alltag, in dem er meist untreue Ehemänner beschattet und überführt, ist der neueste Fall für Bernie Little eine echte Entführung. So scheint es zumindest. Und gefährlich obendrein, denn wie sonst könnte es passieren, dass die Reifen des geliebten, aber noch auf seinen neuen Lack wartenden, Porsche zerschnitten werden und Chet sowohl sich eines Messer, wie eines Revolvers, wie zu guter letzt der Attacke durch einen blauen BMW erwehren muss, nachdem Bernie den Fall übernommen hat.

 

Leider ist die Kommunikation zwischen Bernie und Chet etwas einseitig, daher braucht Bernie ein wenig länger, die Zusammenhänge zwischen den zerstochenen Reifen und dem seinem malträtierten Hund zu erkennen. Da allerdings sind beide schon mittendrin und auf der Suche nach der verschwundenen Madison.

 

Nicht der Kriminalfall ist es unbedingt, der den hohen Reiz dieses Buches ausmacht, obwohl auch dieser durchaus spannend und verzwickt angelegt ist. Mit der Figur des Hundes Chet vor allem ist es Spencer Quinn gelungen, auf ganz erfrischende Art neue Akzente in den altehrwürdigen Kriminalroman zu setzen. In ähnlicher Weise wie Felidae von Akif Pirinçci setzt der Roman somit auf einen tierischen Hauptdarsteller, der witzig, locker, charmant gezeichnet ist und im Blick auf den es Spencer Quinn durchaus gelingt, den Hund nicht zu vermenschlichen und dennoch zu einem Sympathieträger der Geschichte zu gestalten. Dem man auch verzeiht, ein uraltes Hot Dog herunterzuschlingen und freundlich einige Minuten später wieder von sich zu geben. Weniger ein Tierroman ist es, der letztlich zu Buche schlägt, durchaus aber ein klassischer Buddy Roman der alten Schule, der in lockerer Sprache, coolen Sprüchen und enger Freundschaft seines Weges zieht, gemeinsam auf sechs Pfoten.

 

Das Buch stellt eine durchaus anregende und angenehm Unterhaltung dar, ohne das Genre des Detektivromans neu zu erfinden, setzt aber mit Chet, dem Hund, eine überzeugende Hauptfigur in den Raum, die für trockene Sprüche und coole Action sorgt.

 

M.Lehmann-Pape 2011