Fischer 2016
Fischer 2016

Stephanie Meyer – The Chemist

 

Spannend, treffend, mit Humor und überwiegend gut zu lesen

 

Nach Vampiren und Werwölfen setzt Stephanie Meyers nun mit „The Chemist“ auch ein dickes Ausrufezeichen unter ihre Qualitäten als Thriller-Autorin.

 

Wobei vor allem die drei Hauptpersonen, Alex (oder Julian oder wie auch immer), chemische „Verhörspezialistin“ eines Nachrichtendienstes und seit Langem auf der Flucht vor eben demselben, Daniel (unbescholten) und Kevin (sehr bescholten) bestens Getroffen sind und in ihrem Zusammenspiel und den vielen, sehr lebendigen, bildreichen und ironisch-komischen Dialogen für hervorragende Elemente einer „Buddy-Komödie“ sorgen.

 

Wobei Meyers mit ihrem bestens geschulten Sinn für Timing den Thriller nie in eine Komödie ausarten lässt, sondern es ebenso versteht, an den richtigen Stellen, hart, mörderisch und blutüberströmt werden zu können.

 

„Jetzt überlegte Hector sicherlich, wie viel Zeit maximal vergehen dürfte, wenn man einen Finger wieder annähen wollte (Casey-Alex-Julian mussten ja nun auch zeigen, dass sie es ernst meint). Ohne kleinen Finger würde er leben können, aber er brauchte seine Hände….Sie würde die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens unterstreichen müssen“.

 

Allein schon die Idee, eine hochrangige Wissenschaftlerin in ihrem „Bett“ (Badewanne mit aufgezogener Gasmaske) einzuführen, die verschiedenen Substanzen der „Gift-Mischerin“ jeweils realistisch zu erläutern und deren filigrane „Verpackungen“ nicht unerwähnt zu lassen, zieht den Leser augenblicklich in den Bann.

 

Und eigentlich ist diese „Casey“ (der Name ändert sich nicht nur einmal, je nach „Deckung und Tarnidentität“, welche die Frau öfter wechselt) in diesem Leben gut dabei. Auf der Flucht, immer einen Blick nach hinten, schon drei Mordanschläge hat sie überlegt (die auf sie angesetzten Killer nicht).

 

Doch nun könnte sich eine Chance ergeben, Licht in das Dunkle dieser, ihrer Verfolgung zu bringen. Der Dienst bedarf dringend noch einmal ihrer Dienste. Und ist bereit, ihr Leben und Freiheit dafür in Aussicht zu stellen. Wobei Casey von Beginn an misstrauisch ist und das, soviel darf verraten werden, zu Recht.

 

Denn das Zielobjekt für ihr neues Verhör, mit dem sie sich Sicherheit und Freiheit vielleicht sichern könnte, entpuppt sich als eine ganz andere „Mogelpackung“, als sie es he für möglich gehalten hätte.

 

Als dann noch der Dritte im Bund, Ex-CIA Agent Kevin (und ebenfalls auf der „Abschussliste“) auftaucht, ergibt sich eine wunderbare Reibung mit diesem, welche die Atmosphäre im Buch ebenso bereichert und abrundet, wie die „tierischen Partner“, die zu dem kämpferischen Trio treten werden.

 

Wehrmutstropfen in die bis dahin hervorragende Lektüre setzen dann die (das kann Meyer wohl nicht lassen), „romantischen Gefilde“, die tatsächlich am ehesten mit dem „treuen Hundeblick“ und dem „Hinterher-Scharwenzeln“ eines der Männer in Bezug auf „die Chemikerin“ einfach teils zu platt wirkt und zu viel Raum einnimmt.

 

Davon abgesehen aber spielen sich alle zunächst Beteiligten und jene, die später hinzutreten, locker und munter die Bälle zu, harte Szenen durchbrechen mit Tempo die lockeren Passagen, Action bindet Meyers genau in richtigem Maße ein und selbst der Epilog mit der völligen Verwirrung eines „Koch-Reality-Show“ Redakteurs passt dann noch wie die Faust aufs Auge.


Das alles sehr bildreich, differenziert und überaus flüssig formuliert, ergibt insgesamt eine unterhaltsame Lektüre und die nächste Reihe von Bestsellern, die Meyers wohl mit diesem Werk auf den Weg gebracht hat. Denn auch wenn das Ende „beendet“ wirkt, wer weiß, ob nicht neue Aufträge auf die „Chemikerin“ demnächst noch warten werden.

 Das alles sehr bildreich, differenziert und überaus flüssig formuliert, ergibt insgesamt eine hervorragende Lektüre und die nächste Reihe von Bestsellern, die Meyers wohl mit diesem Werk auf den Weg gebracht hat. Denn auch wenn das Ende „beendet“ wirkt, wer weiß, ob nicht neue Aufträge auf die „Chemikerin“ demnächst noch warten werden.

 

M.Lehmann-Pape 2017