C.Bertelsmann 2017
C.Bertelsmann 2017

Stephen Dobyns – Ist Fat Bob schon tot?

 

Sprachlich und inhaltlich eine Wucht!

 

„Was ist das für ein Geschäft, auf das Connor Raposo sich eingelassen hat? Ist es legal? „Es ist ein Familienunternehmen seit vier Generationen“, sagt Didi it dem wegwerfenden Lachen eines Mannes, der das strahlende Licht seines Stolzes unter den Scheffel der Bescheidenheit stellt“.

 

Solche Sätze reiht Dobyns mit traumwandlerischer Sicherheit aneinander, immer mit leichter bis „fetter“ Ironie versehen, immer mit einem gnadenlosen, humorvollen und auf den Punkt kommenden Blick für die Eigenarten, Marotten, die Substanz und den Kern seiner Figuren.

 

Sei es, dass „Manny“, Detektive, seinen Partner „Vikström“ aus ganzer Tiefe seines Herzens verachtet und dessen „intuitive Art“ konsequent zum Scheitern bringen will (was nicht immer so war, aber dann hat er, in einem schwachen Moment seinem Partner von seinem liebsten Hobby erzählt. Seitdem ist der Wurm drin).

 

Sei es, dass „Fat Bob Fat Bob´s verkauft“. Beziehungsweise verkauft hat, denn „Fat Bob“ scheint aktuell ziemlich „zerstreut“ zu sein. Auf dem Asphalt der kleinen Stadt, in der oben erwähnter Connor eigentlich nur ein Paar Schuhe vom Schuster holen wollte. Als „Fat Bob“ mit seiner „Fat Bob“ ungebremst in einen Tieflader fuhr. Da sein Kopf noch nicht gefunden wurde (Connor aber sehr wohl seine Motorradkappe mit einigem But daran „gesichert“ hat (und weiter verschenkt)) ist die Identifizierung aber nicht ganz so einfach.

 

Wobei auch der Hergang des Unfalls Fragen aufwirft. Zumindest bei Vikströms „Bauchgefühl“, was Manny sofort auf den Plan ruft, alles an Ermittlungen in die Gänge zu setzen, was Vikström lächerlich machen könnte.

 

Während Connor außerhalb der Stadt in einem „Winnepago“ Wohnwagen mit einigen eigenartigen Individuen „an etwas dran ist“.

 

Was das ist? Ob er dazu überhaupt dazu kommt? Warum ihn die „gemachten“ Brüste einer Mitbewohnerin eher klinisch interessieren und andererseits der kurze Eindruck einer ihm fremden Frau, deren Mann er hilfreich war, nicht aus dem Sinn geht? All das sind Fragen, die im zunächst im Hintergrund mitlaufen werden, um dann, zum genau richtigen Zeitpunkt, ihre zentrale Rolle zeigen können.

 

Während Connor in der Zwischenzeit alle Hände voll zu tun hat, dem zunehmenden Gewirr von ermittelnden Behörden, sich merkwürdig verhaltenden Kipplastern und den Allüren seines vermeintlichen „Onkels“ Didi Herr zu werden.

 

Was sich erschwert durch Connors Unvermögen , mit der Wahrheit hinter dem Berg zu halten. Jede Frage aufrecht zu beantworten ist unter bestimmen Umständen (was „Geschäfte“ angeht und einen zerfetzen Biker betrifft) nicht unbedingt immer von Vorteil.

 

Gut aber für den Leser, dass dieser Connor nicht anders kann, den so strotzt das Buch, neben einer gehörigen Grundspannung und der lässig-legeren Sprache Dobyns, auch an manchen Stellen mit herrlicher Situationskomik. Die allerdings nie in den Slapstick abgleitet, sondern immer genau den passenden Grat der Beförderung der Geschichte einhält.

 

Mit Überraschungen, die auf den Leser nur zu warten scheinen, mit hartnäckigen Ermittlern, die mal nicht ein „Buddy-Team“ bilden, sondern eigene Probleme in sich tragen und mit der Notwendigkeit, auch auf Nebensätze zu achten, denn wer weiß, wo die Lösung all dessen verborgen sein könnte und welche Spuren dahinführen?

 

 

Eine anregende Lektüre mit einer ganz eigenen Atmosphäre und der „Dobyns-besonderen“ Sprache.

 

M.Lehmann-Pape 2017