Dromer 2012
Dromer 2012

Steve Mosby – Schwarze Blumen

 

Über das „Umwandeln“ von Menschen

 

Ein Buch im Buch. Eine Geschichte über Jahrzehnte. Die Frage, was Realität und Fiktion ist, die sich dem Protagonisten des Thrillers, Neil Dawson, immer intensiver stellt, bis er auf grausame Weise erkennen muss, dass alles wahr ist, alles geschehen ist, was er für einen Kriminalroman hielt, der ihm zufällig aus dem Nachlass seines Vaters in die Hand fiel.

 

Ein Kriminalroman, in dem Ereignisse geschildert werden, die auch in der Gegenwart noch für jene tödlich verlaufen, die ihnen nachgehen. Der Autor des Romans verschwunden. Neils Vater, der sich vermeintlich selber getötet hat. Die Hauptpersonen des „Buches im Buch“, die scheinbar alle irgendwie und irgendwo an den Ereignissen beteiligt waren. Ein Serienmörder, der ganz andere Motive und eine ganz andere Art hat, als andere Mörder. Dessen Ziel es ist, Menschen zu verwandeln in einer Art und Weise, die Mosby lange Zeit nur wie nebenbei andeutet und die gerade durch  diesen Stil intensive  Fantasien beim Leser freisetzen.

 

Für Neil Dawson werden diese real gewordenen Fiktionen des Romans „Die schwarze Blume“, den er auf dem Schreibtisch seines Vaters findet, zu einem sehr realen Kampf gegen die Zeit. Unter Druck gesetzt setzt er alles Mögliche und Unmögliche in Bewegung, um jene Frau in der Gegenwart zu finden, die 30 Jahre zuvor als kleines Mädchen einfach auf dem Marktplatz der englischen Kleinstadt Whitkirk wie aus dem nichts auftauchte und eine düstere Geschichte über ihren „Vater“ und ihr Leben auf einer abgeschiedenen Farm zu erzählen hat. Eine Farm, die nicht aufzufinden ist, eine Geschichte aber, die nachwirken wird und ein sogenannter „Vater“, der über Jahrzehnte nicht ruhen wird und dem jedes Mittel recht ist, seine kleine Charlotte wieder zu bekommen.

 

„Die Frau im Bunker schrie laut. Größtenteils Obszönitäten. Nun ja, das würde sich noch ändern“. Dafür wird der düstere Farmbesitzer noch sorgen. Vor allem aber gilt, dass ihn über all die Jahre niemand aufgespürt, niemand identifiziert, niemand gefunden hat. Und das soll auch so bleiben, geübt, wie er darin ist, sich unscheinbar zu machen.

 

Teils fast surreal bietet sich die Geschichte dar, die Steve Mosby in einfacher und dennoch bildreicher Sprache erzählt. Eine Geschichte, deren inne liegende Spannung und deren Grauen ganz langsam in die Seiten des Buches einfließt und den Leser auf eine intensive Fantasiereise mitzunehmen versteht. Ein anderer, durchaus anregender Plot, der mit einer Wiederkehr und nicht mit einem Verschwinden einsetzt und der dennoch im Lauf der Zeit überleiten wird zu einer Katz und Maus Jagd mit vielen spannenden Momenten. Denn so perfekt ist der „Verwandler“ vorbereitet, so überlegen scheint seine Strategie, dass ihm kaum beizukommen zu sein scheint. Vor allem, da Neil Dawson mit seiner Geschichte wohl kaum Gehör bei offiziellen Stellen finden würde. Zu der einzigen, die ihm helfen könnte, die Polizistin Hannah Price, findet er erst sehr spät Kontakt. Zu spät? Das bleibt abzuwarten, aber soviel sei verraten, es wird äußerst eng werden für die Hauptpersonen des Thrillers.

 

Steve Mosby ist ein sehr interessanter, anderer Ansatz gelungen, in dem er den Faden von vorne und von hinten zugleich aufrollt, die Zeiten und Geschehnisse miteinander langsam, aber sicher verbindet und so ein Gesamtbild zum Ende des Buches hin darlegt, in dem jedes Puzzlestück und jede Person ihren Platz im großen Ganzen findet. Hier und da mit Längen, hier und da ein doch eher realitätsfern (die biologische Entstehungsgeschichte der „schwarzen Blumen“), dennoch eine spannende und anregende Lektüre bis zur letzten Seite.

 

M.Lehmann-Pape 2012