S.Fischer 2014
S.Fischer 2014

Tana French – Geheimer Ort

 

Freundschaft, Liebe und Mord

 

Ein Mädcheninternat in Irland.

Für die „gehobene Gesellschaft“, auch wenn Holly, als Tochter eines Polizisten, das Internat ebenfalls besucht. Solche Mädchen sind dort die Ausnahme, was den (bei ihr mangelnden) Reichtum und Einfluss der Eltern angeht.

 

In der Nachbarschaft die Schule der Jungen. Ein großes Einkaufszentrum als einzige Unterhaltung neben dem Internat und als Treffpunkt der Geschlechter.

 

Vor fast einem Jahr wurde einer der Jungen mit eingeschlagenem Schädel auf einer Wiese im Park des Internats ermordet aufgefunden. Ermittlungen, die damals im Sande verliefen und der damals frisch dem Morddezernat zugewiesenen Antoinette Conway (neben ihrer rüden Art) direkt eine schwache Position unter den Kollegen zugewiesen hat.

 

„Christopher Harper, sechzehn, von der Jungenschule eine Straße und zwei extra hohe Mauern weiter“.

 

Nun taucht an einem anonymen „Geheimnis-Brett“ im Internat eine Karte auf. Eines der Mädchen scheint zu wissen, wer den Mord begangen hat.

 

Stephen Moran, aufstrebender Polizist, am Rande der Wahrnehmungsskala der Dienststelle für ungelöste Fälle, aber einer, der sich einfühlen kann, der in die Haut des anderen zu schlüpfen versteht, sieht seine Chance und dient sich Conway als Ermittlungshelfer an.

 

Im Kern bleiben nur zwei Cliquen der Mädchenschule als Verdächtige über.

Je vier „Freundinnen“, die einen durch Angst zusammengehalten, die anderen auf einer tief verschworenen Ebene miteinander verbunden, werden sich den Vernehmungen und Ermittlungen stellen müssen.

 

Ein Tag ist es, den die beiden Ermittler haben werden, bevor der Skandal breit bekannt werden wird, bevor die Dienststellen eingreifen werden, bevor die Schmach der Niederlage droht.

 

Diesen Tag schildert French mit all seinen Feinheiten, mit einer tiefen Einfühlung in alle beteiligten Personen und mit immer wieder neu hinzutretenden, überraschenden Wendungen in einem Erzählstrang dieses spannenden und mitreißenden Buches, während sie in einem zweiten Erzählstrang die Geschichte von der Vergangenheit her zum Todesszeitpunkt des jungen Mannes (und darüber hinaus) vor Augen führt.

 

Einer, der weiß, wie man Mädchen im tiefsten trifft und für sich einnimmt. Einer, der mit Gefühlen zu spielen versteht. Einer, der vielleicht einmal zu viel gespielt hat? Oder es, das erste Mal, zu Ernst meinte?


Freundinnen, die sich beschützen oder die einander als Besitz betrachten? Kräfte, die nur gemeinsam wirken oder die aus der Tiefe einer Person alle anderen mit hineinziehen? Vier „Hexen) die ganz anders sind, als all die anderen Mädchen mit ihrem „Spiel mit den Reizen“ und dem vorherrschenden „Zentrum des Lebens“, Jungen auf sich aufmerksam zu machen?

 

 

Geheimnisvoll einerseits, emotional tiefreichend andererseits und jede der Personen in ihrer ganz eigenen Weise des Seins auslotend.

 

Seite für Seite zieht Tana French den Leser tiefer hinein an diesen „Geheimen Ort“, der sich letztlich nicht auf einer fast magischen Wiese oder an einem schwarzen Brett oder in einem abgeschiedenen Internat finden lassen wird, sondern der im Kern in den emotionalen Befindlichkeiten der Personen (und zwar in jeder der Personen) sich offenbaren wird.

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre mit Spannung und Tiefgang.


M.Lehmann-Pape 2015