Piper 2014
Piper 2014

Thomas Finn – Aquarius

 

Nicht durchweg zündender Funke

 

Eine Polizistin, die mitten auf dem platten Land in einer Telefonzelle ertrinkt, die Leiterin der Wache in Egirholm stirbt auf eine Art und Weise, die mit rationalen Mitteln nicht zu erklären sein wird.

 

Ein Berufstaucher wird durch eine Explosion an einem Wrack unter Wasser ohnmächtig auf einen Strand an einer kleinen Insel gespült. Wobei diese wundersame Rettung physikalisch nicht möglich ist, denn in den Stunden seines Verschwindens hätte er unmöglich eine solch weite Strecke zurücklegen können.

 

Wobei es ebenso merkwürdig für den Taucher Jens Ahrens ist, dass er umgehend auf dieser Insel in Gefangenschaft genommen wird und dunkle Andeutungen ein mörderisches Ritual befürchten lassen.

 

Als es ihm gelingt zu fliehen, hat ihn die Neugier gepackt. Was hat es auf sich mit diesem kleinen Ort Egirholm, der fest in der Hand verschiedener Geschäftsfrauen zu sein scheint?

Verbergen die „Matriarchinnen“ des Ortes ein dunkles Geheimnis oder ist es nur die Eigenart der Bewohner, sich ein stückweit gegen Fremde abzuschotten?

 

Die Spuren reichen zurück in eine dunkle, mystische Vergangenheit einer alten Stadt, die im „Großen Ertrinken“ vor langer Zeit Opfer einer immensen Flut gewesen sein soll.

 

Das sagenumwobene „Rungholt“, das mit Mann und Maus untergegangen sein soll und in der Gegenwart ein Ort zu sein scheint, an dem viele Parteien hohes Interesse zu haben scheinen.

 

Mitsamt einiger Meerbewohner(innen), die es eigentlich gar nicht geben dürfte und bei denen man darauf achten sollte, sich nicht deren Zorn zuzuziehen. Denn mit dem Wasser, was hier und da im Buch aus „heiterem Himmel“ in Massen zu kommen scheint, kommen noch ganz andere Gefahren auf die Menschen in den plötzlich auftretenden Wogen zu.

 

„Unsereins war stets gezwungen, sich anzupassen, um nicht entdeckt zu werden. Unsereins war gezwungen, nach vorn zu blicken. Die Traditionen aber blieben erhalten….und so manche Rituale“.

 

Gefährliche Rituale.

 

Schatzsuche, Krimi und einen guten Teil Fantastik mixt Thomas Finn in eher einfacher Sprache zusammen. Ein Genremix, der nicht immer zündet, der manches an Fragen offen lässt und der, vor allem, die gedachte Spannung angesichts raubtierhafter Gefahren nicht unbedingt emotional dicht gestaltet.

 

Zu glatt verläuft einiges an den privaten Ermittlungen des Tauchers (mitsamt einer sich zu routiniert anbahnenden Liebesgeschichte), zu weit hergeholt sind einige der Vorfälle.

 

Daneben gelingt es Finn aber durchaus, viele Elemente alter Sagen und Legenden in seine Geschichte mit einzubinden, die ein oder andere überraschende Wendung in der Aufklärung der Hintergründe zu setzen und ein „Ende nach dem Ende“ zu setzen, das einen anregenden Abschuss dann setzt.

 

Insgesamt eine solide Unterhaltung, die ein stückweit zu vorhersehbar verläuft.


M.Lehmann-Pape 2015