Piper 2010
Piper 2010

 

Thomas Raab – Der Metzger holt den Teufel

 

Beste Unterhaltung mit wunderbaren Charakteren

 

Endlich einmal hat nicht der Teufel das letzte Wort und holt sich wieder jemanden, nein, Willibald Adrian Metzger, Restaurator von Beruf und aus Leidenschaft, wird am Ende des Buches dem Teufel tüchtig den marsch geblasen haben.

 

Musikalisch nicht nur im Wortspiel, denn im Kern des neuen Buches von Thomas Raab geschehen Morde an einigen der weltbesten Orchestermusikern. Besser gesagt, Musikerinnen, denn die wenigen Frauen in der Männerdomäne des ersten Orchesters der Stadt Wien haben beim Mörder keinen leichten Stand.

 

Bevor es aber soweit ist, dass wenigstens im Ansatz deutlich wird, wie all die Geschehnisse und kreativen Ideen des Buches zusammenhängen, bevor in den Raum tritt, wer jener mysteriöse Chatter im Internet ist, der in solch düsterer Form die rege Internet Nutzerin Sandra so langsam verstört, vor all diesem muss Willibald Metzger mit einigem an Unruhe in seinem ansonsten so austarierten leben zurechtkommen.

 

Sein Freund Pospischill nistet sich aufgrund häuslicher Spannungen auf seiner geliebten Couch ein, seine gestandene „bessere Hälfte“ Djurkovic ist arbeitstechnisch zumeist an die eigene Wohnung gebunden. Eine unbekannte Schwester taucht wie aus dem nichts auf. Gut, dass wenigstens die Auftragsdürre des Restaurationsbetriebes von einem lukrativen Auftrag durchbrochen wird, doch auch hier, Raab wäre nicht Raab, wenn dies so unkompliziert vonstatten ginge. Denn gerade der neue Restaurationsauftrag führt in höchste Kreise der österreichischen Gesellschaft und, mehr noch, Schicht für Schicht und Schritt für Schritt hin zur Entlarvung des Mörders und seines Motivs.

 

Im vierten Band seiner Kriminalroman um den eher nach Ruhe sich sehnenden und sein Übergewicht austarierenden Restaurator Willibald Metzger zeigt Thomas Raab erneut, dass er zu den sprachlich und an kreativen Ideen reichen Autoren gehört. Von Band zu Band hält er die Qualität seiner Geschichten, ist und bleibt ein genauer Beobachter des menschlichen Seins und versteht es, die vielen Eigenarten und den alltäglichen Kampf mit dem Leben unnachahmlich mit Witz und sprachlicher Finesse zu schildern.

 

Ganz nebenbei gelingt ihm zudem ebenso das Eintauchen in die düstere Seite des Lebens. Nicht nur der Mörder und die Morde selbst, auch das Leben „in der Gesellschaft“ und so manche steife Konventionen des Musik Geschäftes werden von ihm minutiös auf den Punkt gebracht und bestens in den Ablauf seiner Geschichte eingebaut.

 

Thomas Raab ist wiederum ein hervorragendes Buch gelungen, dass die Gratwanderung  zwischen düsterem Kriminalfall, ernsthafter Erzählung, Darstellung menschlicher Stärken und Schwächen und ausgeprägten Charakteren samt teils umwerfender Situationskomik wunderbar meistert und zu einem Gesamtkunstwerk vereinigt.

 

M.Lehmann-Pape 2010