Droemer 2016
Droemer 2016

Thomas Raab – Der Metzger

 

Vielfältige Erzählfäden

 

Ein „Anschlag“ auf eine Würstchenbude, der nicht nur die Bude zum Opfer fällt, sondern auch den bekanntesten und meistgehassten Literaturkritiker im weiten Umfeld schwer mitgenommen zurücklässt.

 

Ein Sohn, der die Erwartungen des Vaters nicht erfüllt hat und dennoch seinen Weg sucht und geht. Ist er jener Schriftsteller, dessen Manuskriptauszüge im Buch hier und da eingestreut sind? Auszüge, die auf ein sehr entschiedenes Potential zur Gewalt deuten könnten.

 

Ein Wurstkönig, der „ausgewurstet“ hat.

 

Beziehungen, die zustande kommen, Veränderungen im persönlichen Umfeld von Willibald Adrian Metzger, Restaurator, Lebensgefährte seiner über alles geliebten Danjela, die gerade ebenfalls ein Sterben im Hamsterrad zu beklagen hat. Vor allem das dadurch entstandene Problem schnellsten lösen muss. Während sie ihren Willibald sanft durchs Leben dirigiert und doch sehr verwundert sein wird, dass dieser seine Einschlafgewohnheiten ändert und tatsächlich in einem Buch liest.

 

„Für gewöhnlich nämlich wird die Glühbirne der Messing-Art-Deco-Nachtkästchenbeleuchtung auf Willibalds Seite ihrer Bezeichnung Energiesparlampe vollkommen gerecht. Wozu auch Licht, wenn für den Mann im Hause Schlafengehen bedeutet: Decke Hoch, Körper rein, gute Nacht“.

 

Doch was soll Metzger auch tun? Denn jener Sohn des Wurstkönigs ist nun einmal einer seiner Kinderfreunde und bei all den Verwicklungen, dem Mord, im Anblick des Todes, als er just zu dem Zeitpunkt des „Anschlages“ an besagter Wurstbude stand, all das zieht Metzger von allen Seiten her in diese Ereignisse hinein. Wobei es dauern wird, bis ihm die ein oder andere Idee kommt, was hinter all dem stecken könnte und auch, wer vielleicht verantwortlich ist.

 

Während Kommissar Krainer sich die Haare zerraufen würde, wenn er sich nicht energisch an Süßspeisen festhalten könnte. Auch ihm schwirrt der Kopf bei all den verschiedenen Ereignissen und Unklarheiten, die sich im Tod des Wurstkönigs, in einem Brandfall und im Blick auf einen verschwundenen Literaten ergeben. Nur eins ist ihm umgehend klar:

 

„Blanker Hass. Das ist, was den Ton angibt. Allergrößte Verachtung“.

 

Die sicherlich viele im Blick auf den Kritiker Hofer bereits zur Weißglut gebracht hat. Doch auch er wird lange Zeit im Trüben fischen.

 

Das alles bietet Raab in gewohnt verdrehter, gedrechselter, ausufernder und bildreicher, fast poetisch zu nennender Sprache dar. Die man mögen muss, denn die Gefahr besteht durchaus, hier und da auch ein wenig die Geduld zu verlieren in all dieser Sprachverliebtheit, in der das Tempo des Falles selbst sich nur langsam voran bewegt und viele Nebenlinien mit einfließen. Was andererseits den Vorteil in sich trägt, sich den Hauptpersonen des Buches sehr ausführlich und plastisch zu nähern und in besonderer Weise sich dabei den diversen Schrullen ebenjener Personen auch ausführlich zu widmen.

 

Zum Ende hin allerdings zieht das Tempo an, werden die vielen Fäden der Geschichte miteinander verwoben und dem Leser damit klarer, was da eigentlich und warum geschehen ist.

 

„Womit wir von einem Racheakt auf beiden Seiten ausgehen“. Oder sogar noch auf mehr als zwei Seiten. Und nicht nur um Rache geht es am Ende.

 

 

Eine passende und lesenswerte Fortsetzung der Fälle des Hobbydetektivs Willibald Adrian Metzger.

 

M.Lehmann-Pape 2016