Heyne 2014
Heyne 2014

Tom Clancy – Command Authority

 

Vorweggenommen

 

Es ist natürlich kein Zufall, dass Tom Clancy die Annexion der Krim so minutiös und mit vielfachen Hintergründen versehen zur Zeit der Verfassung dieses neuen Thrillers quasi vorweggenommen hat.

 

Deutliche Zeichen der Unruhen, der sich zuspitzenden Krise gab es ja bereits seit einiger Zeit, es „lag was in der Luft“.

 

Dennoch muss man Clancy zugestehen, mit seinem Szenario genau ins Schwarze getroffen zu haben und die politischen Hintergründe seines Thrillers sorgfältig recherchiert und, wie immer in eher simpler Sprache, dem Leser breit zu vermitteln.

 

Dabei begnügt Clancy sich glücklicherweise nicht mit (von ihm eher gewohnten) ellenlangen Beschreibungen technischen Kriegsgerätes und dessen Bedienung und Wirkung (erfreulicherweise hält sich dieser Teil seiner Neigung in diesem Thriller sogar erkennbar in Grenzen), sondern bietet in einem zweiten Handlungsstrang um Jack Ryan Jr. herum auch einen intensiven Blick auf die wirtschaftlichen Verzweigungen.

 

Das Oligarchentum in Russland und die Verwicklungen und Steuerungen desselben mit und durch die „hohe Politik“, das hat in dieser teils kleinteiligen Ausführlichkeit, die Clancy nutzt, durchaus Brisanz. Und dabei geht es weniger um Korruption, sondern um gezielte wirtschaftliche Interventionen (unter kaum verhohlenem Bruch internationalen Rechtes) zum Zwecke der „Einverleibung“ von Filetstücken in das eigene Portfolio.

 

Kühl, strategisch, skrupellos und über die Schwäche seiner Gegner eher lachend, so skizziert Clancy seinen Wolodin, den russischen Präsidenten. Und führt auf der einen Seite (mit Jack Ryan Sr. als Präsident der Vereinigten Staaten) die militärische und strategische Seite des Thrillers mit Tempo aus, während er auf der anderen Seite die wirtschaftlichen  Hintergründe, die (scheinbar auch offiziell sehr einfach zu anonymisierenden) stillen Privatflüge in die Schweiz, die Scheinfirmen und Briefkastenadressen für Milliarden von Dollar minutiös aufdeckt.

 

Wobei er immer auch das dahinter liegende System mitbeachtet und so dem Leser einen interessanten und oft überraschenden Einblick darin gibt, wie genau hinter den Kulissen ganze Firmengruppen „enteignet“ werden und entweder mit vagen Anklagen oder gleich mit verdeckter, brachialer Gewalt zur Kooperation angehalten werden.

 

Sicher fehlt im Thriller, auch das wie gewohnt bei Clancy, eine ausgewogene Differenzierung.

 

Gut und moralisch ist eben gut (USA in Form von Jack Ryan Sr.), korrupt und machtgierig ist eben die „andere Seite“ (Russland).

 

Dieses schlichte Weltbild zieht sich im  Buch hinunter bis auf die Ebene der Figuren (klar, dass Jack Ryan Sr. die Herzen aller „gereiften“ Frauen würde beben lassen und ebenso klar, dass Jack Ryan Jr. als „Bild von einem Mann“ und dazu natürlich noch von der Intelligenz her nahe bei Einstein) dem in nichts nachsteht.

 

Dieses ausgereifte „Schwarz-Weiß“ Denken fügt der Spannung dieses Thrillers und der vielfachen Betrachtung von Hintergründen und geschickten, verdeckten Strategien allerdings für dieses Mal nur wenig Abbruch zu.

 

 

Flüssig, mit Tempo, spannend und sehr auf die verschiedenen Motive und Handlungsweisen eingehend bietet Clancy (in gewohntem Stil und, nach hinten heraus, auch in gewohnter „krachender“ Manier“ einen sehr unterhaltsamen und brandaktuellen Thriller, der durchaus das Lesen lohnt.

 

M.Lehmann-Pape 2014