Heyne 2016
Heyne 2016

Tom Clancy, Mark Greaney – Mit aller Gewalt

 

Flüssig und mit Tempo

 

Nicht erst seit dem Tod Tom Clanceys und der teilweise wenig bewegenden „Verwertung“ des „Clancy-Kosmos“ durch andere Schriftsteller schien doch ein wenig die Luft heraus zu sein aus dem althergebrachten, „ewigen“ Ost-West Konflikt, den Clancy lange Jahre immer wieder und immer noch in den Mittelpunkt gerückt hatte. Trotz allen Endes des kalten Krieges.

 

Da erscheint dieser neue Thriller aus der Feder von Mark Greaney wie eine Frischzellenkur.

 

Zum einen bietet Greaney eine sehr flüssige Erzählweise, folgt dabei durchaus noch den Vorgaben Clancys, was dessen teilweise penible Beschreibung von technischen Details und Waffen angeht, nimmt hier jedoch ein stückweit die Ausführlichkeit in der Beschreibung zurück, was sich umgehend auf das Erzähltempo positiv niederschlägt. Greaney nutzt zudem vielfach Action Elemente (Stiche von hinten in die Lunge, Verfolgungsjagten auf Motorrädern) und bietet damit durchaus spannende Sequenzen und Szenen, die man gerne liest.

 

Und zum anderen bietet Nordkorea in diesem klassisch angelegten Agenten- und Spionagethriller eine durchaus realistische Blaupause für eine zunehmende, auch atomare Bedrohung. Denn was wäre wenn eintreten würde, was der Roman suggeriert, dass dieses isolierte, mit harter Hand (auch im Buch) geführte Land zu wirklichem Reichtum gelangen würde? Und das nordkoreanische Agenten mit aller Härte vorgehen und bis ins Innerste überzeugt von ihrer „Mission“ sind, das klingt plausibel und kommt im Buch gut immer wieder auf den Punkt.

 

Gepaart mit vertrauten Figuren um Präsident Jack Ryan, seinen Sohn Jack Ryan Junior und die Agenten vom „Campus“ setzt der Thriller zudem mit frischen Dialogen und einem hohen Wiedererkennungswert an alten, erfolgreichen Zeiten an und wechselt immer wieder die Perspektiven der Erzählung, so dass der Leser von allen Seiten her mitten drin im Geschehen ist.

 

In dem eine ernste Bedrohung heraufzieht durch eben jene möglichen Erträge aus einem besonderen Rohstoff, den die Führung Nordkoreas schnell und effizient auf den Weg bringen will. Um endlich die eigenen Träume von echter Macht und offensivem Vorgehen gegen den „Feind“ an allen Orten voranzutreiben.

 

Wobei schon der Beginn der Ereignisse, angesiedelt in Saigon, klarstellt, dass mit aller Härte von allen Seiten vorgegangen wird, und eine ganze Reihe ehemaliger „Profis“ aus den Geheimdiensten verschiedener Länder sich nun „privat“ verdingen, aber nichts von ihrer Ausbildung verlernt haben.

 

Sicher gilt, wie immer bei Clancy Thrillern, dass der Leser das klare Freund-Feind Bild und die ebenso klare Unterscheidung in „Gut und Böse“ vorauszusetzen hat, um gut unterhalten zu werden (auch wenn ebenfalls schon zu Beginn zumindest einen der Beteiligten das Gewissen drückt. Mit drastischen Folgen).

 

 

Alles in allem ein solider, klarer Thriller, der im Stil nahe an die alten Bestseller heranreicht und für eine durchaus anregende Unterhaltung sorgt.

 

M.Lehmann-Pape 2017