Heyne 2013
Heyne 2013

Tom Clancy – Ziel erfasst

 

Alte Kameraden und aktuelle Feinde

 

Die Reihe um Jack Ryan füllt sich durch Tom Clancy immer mehr und immer weiter, ein Erfolgsrezept, das bisher in vielfachen „Kämpfen“ als Agent bis hin zum Präsidenten der USA durchaus vielfach seine Leser fand.

 

„James Buck versetzte Jack spielerisch mit der flachen Hand einen kleinen Hieb an den Kopf. „So ist´s recht, Junge. Bereit zu einer weiteren Runde?“. Jack nickte erneut, dieses Mal jedoch mit weit größerer Begeisterung. „Klar doch, auf geht´s!““.

 

Auf geht’s, auf ein Neues, Altes, denn Jack Ryan will seinen Beitrag leisten gegen die immer stärker werdende Terror Bedrohung der USA. Noch einmal tritt er zur Wahl an, noch einmal ist er bereit, Präsident zu werden. Doch dieses Mal wird er auf eine ganze Reihe verdeckter Gegner treffen, die sich mit aller Macht gegen sein Vorhaben stellen. Nicht zuletzt im Übrigen der aktuelle Präsident des Landes. Hier lässt Clancy den Leser durchaus intensiv an den Realitäten amerikanischer Wahlkämpfe teilhaben, in denen jedes Mittel recht ist, potentielle Kandidaten und Widersacher zu diskreditieren. Wobei nicht Ryan selbst zunächst angegangen wird, sondern sein engster Vertrauter, Teil seines „Zukunftsteams“ und alter Freund John Clark.

 

Während diese beiden zunächst gegen die Intrigen und Anwürfe des Wahlkampfes vordergründig anzugehen haben, arbeitet Jack Ryan jr. auf anderer Ebene gegen die terroristische Bedrohung. „In den Fußstapfen seines Vaters“ findet der Leser Ryan jr. in geheimdienstlichen Dienst, ist zudem mit seinen Gefühlen privater Natur beschäftigt und gerät, natürlich, möchte man sagen, mehr und mehr mitten hinein in gefahrvolle und „bleihaltige“ Situationen. Der Nahe Osten wird instabil, Pakistan und Indien rasseln mit den Säbeln und Ryan jr. versucht unter drängendem Zeitdruck, die Hintermänner der Destabilisierung ausfindig und unschädlich zu machen.

 

So kämpfen die Ryans an verschiedenen Fronten, durchaus wie gewohnt auch direkt und physisch, für eine „besser“ Welt im Angesicht der Abgründe von drohenden Kriegen, terroristischen Bedrohungen, inneren Intrigen und allgemeinem Misstrauen.

 

Wie immer erzählt Clancy actionreich, gradlinig und klar, ordnet sein „Personal“ in (inneres) „schwarz und weiß“ und versteht es, sowohl technische Details als auch politische Realitäten (Misstrauen der „Dienste“ untereinander, egozentrische Politiker und allgemein Parteiungen, die über „Leichen“ gehen würden, so es ihren Interessen dient) realistisch und nachvollziehbar in seine Geschichte einzubauen.

 

Auch wenn das Muster seiner Thriller doch immer wieder das gleiche ist, mit „ziel erfasst“ ist Clancy eines der spannenderen Bücher der „Jack Ryan Reihe“ gelungen, das zudem mit tatsächlich vorhandenen Bedrohungen realitätsnah arbeitet und einen reflektierten Einblick in die harte und durchaus gewaltbereite Welt der amerikanischen Politik und der amerikanischen Wahlkämpfe gibt.

 

Natürlich arbeitet Clancy, wieder einmal, nicht unter der Ebene der drohenden globalen Vernichtung und greift hier doch wieder einmal über das Ziel hinaus. Dennoch hält das Buch sein hohes Tempo und bietet von der Enttarnung der wahren Hintergründe bis zu den einzelnen, ausgefeilten Action Sequenzen gute Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2013