Carls´books 2015
Carls´books 2015

Tonino Benacquista – Blut und Dollar

 

Zieht sich

 

„Zum Glück wird diese Hochstapelei ein Ende haben. Schon dein zweites Buch dreht sich im Kreis, du hast nichts mehr zu erzählen, deine Anekdoten sind nur noch Seitenfüller……..da bleibe ich ganz ruhig. Es wird kein drittes Buch von Laszlo Pryor geben“.

 

So wirft es Tom Quint, der zuständige FBI Bereichs Leiter Fred Warren alias Laszlo Pryor und eigentlich Giovanni Manzoni, Ex-Mafia Größe und seit 12 Jahren im Zeugenschutzprogramm, kühl an den Kopf.

 

Und trifft den Mann ins Mark. Der an einem einsamen kleinen Ort in Frankreich untergebracht ist. Dessen Frau eigene Wege in Paris geht und nur noch tageweise in die Villa kommt. Dessen beiden Kinder, aus unterschiedlichen Gründen, das Haus ebenfalls nur noch selten besuchen.

 

Und, wenn man genau überlegt und andere Sequenzen des Buches hinzunimmt, könnte es fast sein, dass Benacquista eine Art Selbstschau hier abhält.

 

Denn tatsächlich, das Buch selbst zeigt deutliche Längen auf, geht gerade in den ersten zwei Dritteln sehr langsam nur vor, richtet sich auf die einzelnen Personen, erzählt Nebengeschichten und, sogar, nutzt einige Seiten, um die Geschichte von Melvilles Moby Dick zusammengefasst zu erzählen. Und das nur, um späterhin Parallelen zu Manzoni zu ziehen, die auf den ersten Blick wenig mit den Ereignissen im Buch zu tun haben und eher indirekt zum Ende hin den „Kampf mit dem Wal“ und den „Untergang auf dessen Rücken“ beleuchten.

 

Unbedingt viel zu erzählen ist, was Tempo, Spannung und Situationswitz des ersten Teiles angeht, nicht mehr.

 

Zum Glück binden sich einige der Fäden, die zunächst eher unverbunden nebeneinander stehen (der Pizza Bäcker im Dorf, das Imbissgeschäft Livias, die Allergien des Agenten Peter und kleine Erinnerungen an alte Mafia-Kollegen zu einem Handlungsstrang am Ende dann zusammen, der ein wenig von der alten Energie Manzonis wieder ans Tageslicht bringt und mit dem überraschenden Ende doch für eine unterhaltsame Geschwindigkeit dann sorgt.

 

An die humorvolle und besondere Darstellung samt umfassenden „Show-Down“ im vorhergehenden Band reicht dieses Fortsetzung allerdings bei Weitem nicht heran und fühlt sich in Teilen ebenso mühsam zu lesen an, wie Fred alias Laszlo alias Giovanni auf Seite 48 seines neuen Romans hängen bleibt oder wie er (nach dem Beschluss, endlich einmal ein Buch zu lesen) doch Zeit braucht, über den ersten Satz von Moby Dick („Ich bin Ismael“) hinauszukommen.

 

Auch wenn das Ende des Buches eine gewisse Offenheit in sich trägt, nachdem der Leser nun in alle Mitglieder der Familie Manzoni umfassend eintauchen konnte und auch die beiden beteiligten FBI Leute breit ausgeleuchtet wurden und nachdem die „Wiederkehr des Mafiosi“ doch nur noch mit eher halbem Herzen im Buch erfolgt, sollte man die Geschichten um diesen Kronzeugen und die Seinen doch als weidlich auserzählt betrachten.


M.Lehmann-Pape 2015