Droemer 2011
Droemer 2011

Torkil Damhaug – Die Bärenkralle

 

Wildes Tier in Oslo?

 

Axel Glenne ist Arzt. Familienvater. Sohn einer debiler werdenden, fast völlig innerlich in der Vergangenheit lebender Mutter. Zwillingsbruder eines Mannes, der er fast 25 Jahre nicht gesehen hat nach einer tiefen Entzweiung in der Vergangenheit.

Ein Mann, der in all seinen Bezügen seinen Weg geht, Reputation besitzt, dessen Leben klar gegliedert und durchaus zufriedenstellend bis glücklich erscheint.

 

Sogar als Mann per se verfügt er über eine gewisse Attraktivität, denn die junge Praktikantin Miriam zeigt deutliche Signale. Signale, denen sich Axel Glenn nicht entzieht.

 

Während Toril Damhaug den Leser noch mitten hinein nimmt in die Welt des Arztes Axel Glenne und langsam am Horizont die Frage auftaucht, worum es eigentlich im Buch genau geht, geschieht ein Todesfall. Oder doch ein Mord?

 

Der grausamer Todesfall ruft zunächst Kommissar Viken und sein Team in Oslo auf den Plan. Eine junge Frau ist tot  worden und alles deutet darauf hin, dass sie von einem Bären gerissen worden ist. Die Verletzungen, Tatzenspuren in der Nähe des Tatortes, die sich im nirgendwo verlieren. Auch die genauere Untersuchung scheint den Augenschein zu bestätigen.

Wenig später ereignet sich ein weiterer, ähnlich gelagerter Todesfall, auch in diesem Fall weisen die Spuren ebenfalls auf einen Bären als Todesursache hin.

 

Nur eines verbindet zunächst die beiden toten Frauen. Beide standen in der ein- oder anderen Weise in Kontakt mit dem Axel Glenne. Doch in welcher Weise könnte diese Verbindung mit dem Tod der Frauen zusammenhängen? Sicher, da gibt es diesen dunklen Fleck mit seinem Bruder Brede, der liegt aber doch weit in der Vergangenheit zurück. Und dennoch beginnt der Fall und die Ermittlungen der Osloer Polizei um den Arzt zu kreisen, zunächst auch die einzige, konkrete Spur und Verbindung der beiden Todesfälle.

 

Als dann noch, nach einer außerehelichen Liebesnacht, der ansonsten so angesehen Arzt vor der Tür seiner Geliebten fast über eine dritte, ähnlich grausam zugerichtete Tote fast stolpert, nimmt er überstürzt die Dinge selber in die Hand. Und erinnert sich an seinen Bruder Brede und die Vergangenheit. Doch bis zum intensiven Ende des Buches hin werden noch einige Vermutungen sich als falsch erweisen und einige Spuren in die Irre führen.

 

Wie auch in seinem Buch „Die Netzhaut“ ist Damhaug ein eher gemächlicher Starter in seinen Geschichten, der Wert darauf legt, die Figuren fassbar und von allen Seiten in ihren Lebenszusammenhängen zu zeigen. Dennoch lässt er durchaus hier und da bereits durchscheinen, dass mehr passieren wird und mehr im Raum steht, als es die vordergründige Betrachtung nahe legen könnte.

 

So baut sich eine allmähliche Spannung auf, die durchaus zu fesseln vermag, auch wenn letztlich die Auflösung des Falles selber bereits einiges vor dem Ende zu ahnen ist. Solide und flüssig geschrieben, genau beschreibend, auch was die Grausamkeit der zugerichteten Leichen an geht, in der ersten Hälfte im ruhigen Erzähltempo, dass sich zum Ende hin deutlich steigert, bietet das Buch eine durchaus anregende Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Torkil Damhaug

 

Torkil Damhaug ist 1958 in Lillehammer geboren worden und studierte Medizin und Psychologie. Vor seiner Tätigkeit als Autor arbeitete er als Psychiater. 

 

(Quelle von Bild und Text: Droemer Verlag)