Piper 2013
Piper 2013

Tracy Bilen – Wieder Vater so der Tod

 

Tochter in Not

 

Die Ausgangslage, die Tracy Bilen für ihren Thriller schafft, ist einerseits durchaus bedrohlich und bedrückend, andererseits letztlich aber vom Realismus her doch nicht wirklich vorstellbar, auch wenn Bilen vor allem die Unmöglichkeit, sich zur Polizei zu wenden, ganz gut, letztlich aber nicht zwingend begründet.

 

Saras Bruder hat sich das Leben genommen. Nicht zuletzt wegen der hohen Spannungen, welche Saras Vater in die Familie bringt. Ein Vater, der als ehemaliger Cop glaubt, versagt zu haben, der aus dem Dienst entfernt wurde, der sich mit dem ehemals väterlichen Eisenwarenladen durch das Leben bringt. Und doch im Inneren ein Cop bleibt und schwer an seiner Suspendierung zu tragen hat. Ein Mann zwischen Zwang und Wahn, einer, der den Tod des Sohnes leugnet, der bei der geringsten Abweichung „vom Plan“ und dem geringsten Widerwort hart zuschlägt.

 

So hart, dass Saras Mutter die Flucht plant. Mit der Tochter. Doch am vereinbarten Treffpunkt taucht Saras Mutter nicht auf. Die heimlich gepackten Reisetaschen sind sauber wieder entleert. Der Polizist des kleinen Ortes ist ein guter Freund des Vaters. Und so muss Sara zwischen hoffen und bangen versuchen, selber das Rätsel um die verschwundenen Mutter zu lösen. Hat ihr Vater ihre Mutter ermordet?

 

Unterstützung findet Sara nur bei ihrem besten Freund Zach. Und vielleicht bei Alex, Sportstar der Schule und einer, der Saras Herz höher schlagen lässt. Doch einlassen kann sie sich nicht, sie geht ja davon aus, umgehend, sobald die Mutter wieder auftaucht, auf Nimmer wiedersehen zu verschwinden.

 

Doch die Stimmung zu Hause, die Launen ihres Vaters werden immer düsterer und bedrohlicher. Ein Klima, in das auch Zach und Alex unerbittlich mit hineingezogen werden.

 

Spannend ist es durchaus, die Frage, was da eigentlich vorgeht. Eine Spannung, die vor allem deswegen so gut gelingt, weil Bilen in der Lage ist, sehr intensiv und plastisch die Bedrohung durch den Vater, das Wegrutschen des Mannes in dunkle Gefilde im Buch zu entfalten. Jederzeit kann dieser Ray explodieren, bedrückend ist sein vollständiges, inneres Leugnen des Todes des Sohnes Matt und der Tanz auf Eiern, den Sara durchführen muss, um auf die alltäglichen Fragen nach Matt ja auch die richtige Antwort zu finden. Denn sonst wird es sehr schmerzhaft werden.

 

Und ebenso spannend ist die Frage, was denn nun genau passiert, ist, wo Saras Mutter abgeblieben ist. Eine Frage, von der der Leser fast sicher  meint, die Antwort zu kennen. Aber da sollte man sich nicht zu früh festlegen.

 

Dennoch, dass diese Sara das alles mit sich alleine abmacht, dass sie nicht an andrem Ort versucht, die Polizei zu involvieren, das sie sich nicht schnell Mitschülern oder deren Eltern oder Freunden anvertraut, das ist und bleibt nicht sonderlich realistisch.

 

Alles in allem spannend und unterhaltsam, mit einigen sehr gelungenen Protagonisten und leichten Schwächen im Realitätsgrad.

 

M.Lehmann-Pape 2013