Heyne 2014
Heyne 2014

Travanian – Im Auftrag des Drachen

 

Spannend erzählt

 

Bereits 1972 ist die erste Auflage dieses Geheimdienst Thrillers erschienen und das merkt man dem Buch einerseits natürlich auch an. Digitales Equipment, Handys, Netzwerke, Recherche über Internet, all das spielt in diesem Spannungsroman keine Rolle. 

 

Was aber gar nicht unbedingt ein negatives Merkmal ist. In fast klassischer Manier, sehr flüssig, mit hohem Tempo, ohne aber die Differenzierungen und Hintergründe seiner Figuren ins Abseits treten zu lassen erzählt Travanian einfach eine gute Geschichte.

 

Mit einer Hauptfigur, die mit genügend kühle und Egozentrik ausgestattet ist, um aus dieser eben keinen „strahlenden Helden“ und reinen „Sympathieträger“ zu kreieren.

 

Sei es der leicht zynische Umgang als Dozent mit seinen Studenten, sei es das rein finanzielle Kalkül, mit dem Jonathan Hemlock seiner zweiten, heimlichen Profession nachgeht.

 

Denn das Honorar als Dozent reicht bei Weitem nicht aus, sein Hobby, das Sammeln meisterhafter Bilder, zu finanzieren. Daher verdingt sich Hemlock dem amerikanischen Geheimdienst hier und da als Killer. 10.000 Dollar Festpreis, in der Regel. Für seinen neuen Auftrag verhandelt er gar 20.000 Dollar Honorar.

 

Was auch daran liegen mag, dass sein Auftraggeber, „der Drache“, im hochgradig unsympathisch ist .

 

Natürlich liegt ein Hauch „James  Bond“ in der Luft, wenn Hemlock als Mann nur sein Charisma kurz aufblitzen lassen muss, um entsprechend attraktive Frauen in höchste Unruhe zu versetzen und natürlich passt als ein wichtiger Ort des Geschehens in dieses Raster die Eiger Nordwand zudem gut hinein (klar, dass Kunsthistoriker nicht nur als Hobby im Berg kraxeln, sondern gut genug in Schuss und Übung sind, die Nordwand quasi im Alleingang zu beherrschen).

 

„An der Wand“ lässt Trevanian seine souveräne Erzählkunst durchaus erkennen,  bildkräftig und spannend geht es daher, wenn auch, recht betrachtet, das alles im Gesamten nicht undbedingt realistisch wirkt.

 

Aber einer, der privat eine alte Kirche als Refugium sich ausgebaut hat und „das dampfende Wasser in seinem römischen Bad“ genießt, einer, der verächtlich auf „junge Hüpfer“ herunterschaut, die sich ihm schon in seiner Funktion als Dozent fast aufdrängen, der kommt eben mit Seil und Picke genauso gut zurecht, wie mit Champagner und Damen in Abendgeraderobe.

 

Durchaus spannend schildert Trevanian die Jagd auf das Opfer, baut Drehungen und Wendungen ein, die manche der Ereignisse in anderem Licht auf einmal erscheinen lassen und erzählt im Gesamten eine geradlinigen, unterhaltsamen „Katz und Maus“ Roman, in dem „Katze und Maus“ zunächst nicht immer klar definiert sind.

 

 

Mit einem natürlich fulminanten und actionlastigen Ende.

 

M.Lehmann-Pape 2014