KBV 2011
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Ulrike Blatter – Nur noch das nackte Leben

 

Im Sumpf von Drogen und Verbrechen

 

„True Colours“, die „wahren Farben“ sind es tatsächlich, die Ulrike Blatter getreu ihrem vorweg gestellten  Zitat aus dem Lied von Steinberg und Kelly zitiert. Nicht die warmen oder romantischen Farben, an die man beim Hören des Leides denken könnte, sondern die ungeschminkten, dunklen, düsteren Farben der Innen- und Außenwelt ihrer Protagonisten, allen voran der erste Polizei Hauptkommissar Erich Bloch aus Konstanz am beschaulichen Bodensee, den das Schicksal unter die Räder kommen lässt in diesem Kriminalroman.

 

Im demnächst pensionsfähigem Alter noch einmal verliebt in die Journalistin Alenka, die einer Drogenbande auf der Schliche ist, während Erich Bloch nach einigen schönen Tagen im Adriaurlaub mit Alenka sich mit einem Mord zunächst beschäftigen muss, bei dem ebenfalls Drogen eine Rolle spielen. Da wird er unvermittelt nach Slowenien gerufen, um eine Frauenleiche zu identifizieren. Alenka.

 

Und von nun an taumelt Erich Bloch mehr, als das er aufrecht steht, durch die Ermittlungen. In Slowenien kann er nach einem ominösen Anruf eine Spur aufnehmen, die ihn in die Abgründe der Drogenabhängigen und an furchtbare Orte führt, in Konstanz ermittelt er bald in mehr als einem Mord, zugleich steigen ihm immer bedrängendere Bilder aus seiner Kindheit und dem dramatischen Geschehen um seine Schwester Karin herum auf.

Er hastet mit Zug und Flugzeug von einem Ort zum anderen, Übermüdung, Bier, innere Leere, Trauer, Verzweiflung und die Konfrontation mit dem Bodensatz und den Tiefen des Lebens hinterlassen mehr und mehr sichtbare Spuren. Zudem muss er bald feststellen, dass der Gegner, dem er auf den Fersen ist, skrupellos, hart und unnachgiebig zuschlägt, um seine Spuren zu verwischen, denn es geht um viel mehr als nur um das Geschäft mit Drogen auf den Straßen.

 

Ebenso düster und ebenso teils innerlich wie wegdriftend nutzt Ulrike Blatter ihre sprachlichen Möglichkeiten. Intensiv gezeichnete Figuren, die lebensnah gestaltet werden, tragen die Geschichte, Assoziationen und Emotionen begleiten die Geschichte, die nach ganz unten führen, da, wo sich in dreckigen Parkhäusern oder an anderen, verschwiegenen Orten kaum mehr Menschen zu nennende Gestalten finden lassen, die nur mehr nach der nächsten Drogenerleichterung gieren. Und zu jenen, die damit ihr Geschäft zu machen verstehen,

 

Erich Bloch, von Natur aus Eigensinnig und Eigenbrötlerisch, erlebt eine noch deutlichere Entwicklung in eine ganz eigene Welt hinein. Selbst seine Tochter Eva mit ihrem kleinen Kind, auf das er hier und da aufpassen müsste und seinen Hund verliert er fast  aus dem Blick, vernachlässigt sich und sein alltägliches Leben. Was ihn allerdings alles nicht daran hindert, hartnäckig und zäh den Spuren seiner Fälle in Konstanz und Slowenien zu folgen.

 

Eine in sich schlüssige Geschichte entwickelt Ulrike Blatter in dieser Form dunkler Atmosphäre, die in Teilen vielleicht etwas zu ausführlich und detailreich erzählt wird und damit der Fantasie des Leser einige Grenzen setzt. Insgesamt aber ein erfreulich anders gestrickter, andersartig erzählter und mit einem unverwechselbaren Hauptcharakter ausgestatteter Kriminalroman, der das jeweilige Lokalkolorit treffend zur Geltung bringt und das Lesen lohnt

 

M.Lehmann-Pape 2011