Edition 211 2016
Edition 211 2016

V.S.Gerling – Sieben Gräber

 

Harter Stoff flüssig erzählt

 

Mit „Sieben Gräber“ legt Gerling den nun dritten Fall des deutschen Ermittlerpaares Nicolas Eichborn und Helen Wagner, beide seit dem ersten gemeinsamen Fall auch privat ein Paar.

 

Zentrales Thema dieses Thrillers ist die Kindeprostitution. Im großen Stil aufgezogen, fest in der Hand ausländischer krimineller Vereinigungen, die keine Gnade kennen. Weder gegen Konkurrenten noch gegen Kinder, die „aus der Spur laufen“, vor allem nicht gegen Versager und Verräter in den eigenen Reihen und schon gar nicht gegenüber Ermittlern, welche die Geschäfte stören könnten.

 

Nicht unwahrscheinlich daher, dass in den eigenen Reihen von LKA und BKA Maulwürfe zu finden sein könnten und doppelte und dreifache Vorsicht geboten ist. Vor allem bei Eichborn, der vor einigen Jahren bereits nah dran war an diesem Menschenhändlerring und bitter scheiterte.

 

Nicht zuletzt aufgrund eines Kollegen, den ein zerfressender Ehrgeiz nach den Hintermännern trieb und treibt. Ein Ehrgeiz, der sieben Gräber zur Folge hatte. Und Eichborns erster Ehe den letzten Gnadenstoß versetzte.

 

Gerling erzählt diese Geschichte ausführlich in einem Rückblick im Buch, bevor er sich wiederganz der Gegenwart zuwendet. Denn die Bande samt ihres Oberhauptes ist immer noch aktiv. Und der Kollege von einst ebenso noch am Rande beteilig, wie die kompromisslosen Vollstrecker der Gegenseite.

 

Ein Fall, in den Eichborn sich immer tiefer hineinarbeitet und mit Hilfe seiner Partnerin Wagner auch erste Erfolge erlebt. Doch Vorsicht ist geboten, wenn so manche Schüsse auf Doppelbetten abgegeben werden und ein Haus niederbrennt.

 

So wird das Finale, wie immer in den Fällen Eichborns, ein hartes, spannendes und schwierige werden.

 

Ein harter Stoff, den Gerling umsetzt und bei dem er weitgehend genau den richtigen Ton zwischen emotionaler Nähe und Spannung trifft Und ein Ermittler, der langsam erwachsen wird, und das ist gut so.

 

Stellte sich Eichborn in den ersten Fällen noch zu sehr als Mann der pubertierenden Sprüche dar, ist dieser Anteil am Charakter nun auf ein anregendes Maß gesunken währen die Härte Eichborns und sein Verantwortungsgefühl in den Vordergrund rücken. Wie auch das Angewiesen Sein auf sein Team deutlich mehr im Vordergrund steht und nicht mehr der „Ein-Mann-Kämpfer“ zu sehr dominiert.

 

Das während eines Kunstkaufs der entscheidende Kunstkenner leider die Falsche Brille dabei hat und der ganze Kauf u knapp und damit zu unrealistisch im Raume verbleibt, wie ebenso aus der Szene der „Warnung“ an Eichborn über seine Familienangehörigen ebenfalls mehr a Kreation möglich gewesen wäre, zeigt, dass hier und da noch Luft nach oben im Auserzählen von Handlungssträngen verbleibt. Ebenso erschließen sich die Kapitelüberschriften weiterhin nicht und wirken eher störend „einfach so“ gesetzt.

Für den unterhaltsamen, flüssigen und temporeichen Erzählfluss ist dies aber nur von nebensächlicher Bedeutung.

 

 

Spannend, hart und realistisch, eine empfehlenswerte Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2016