Droemer 2014
Droemer 2014

Volker Klüpfel, Michael Kobr - Grimmbart

 

Einfach gut

 

Man muss ihn mögen, den, ehrlich gesagt, oft eher träge und etwas einfältig wirkenden Kommissar, der diesen Eindruck immer wieder als Täuschung entlarvt.

 

Sicher nicht auf dem Feld der kulturellen Konversation über Maltechniken und Meister an der Grenze zwischen Barock und Renaissance (oder umgekehrt) und vor allem auch nicht auf dem Feld der interkulturellen Konversation mit seinem baldigen japanischen Schwiegervater (noch hallt das Schmunzeln über den Skype-Versuch Kluftingers aus dem letzten Roman der beiden Erfolgsautoren nach).

 

Aber wenn Kluftinger irgend so ein Gefühl hat, wenn irgendwas nicht stimm. Und sei es auch an dem einen Bild, das ihm irgendwie nicht in die Reihe mit den anderen zu passen scheint, dann lässt er nicht locker. Trotz des ein oder anderen Gläschens auch im Dienst, der Instinkt bleibt wach.

 

Was es aber nun auf sich haben könnte mit diesem Tod der (eher verarmten) Schlossherrin, der einem gleichzeitig verschwundenen Gemälde nachgestellt ist, was es mit diesem Paar auf sich hat, das zunächst steif und fest behauptet, das erste Mal im Gästehaus des Schlosses übernachtet zu haben und ob und was das alles vielleicht mit diesem unangenehmen Menschen zu tun haben mag, der auf eine fürstliche Adoption aus ist, das wird Kluftinger schon einiges an Instinkt und Nachdenken kosten, bis dieser Fall gelöst ist.

 

Wobei man ihm zu Gute halten muss, dass er an vielen Fronten zugleich gefordert wird.

 

Die neue Chefin möchte tatsächlich Schulungen, Schusstraining und Führung von ihm sehen. Wobei sie zugleich auf seine leichte Alkoholfahne hinweist und damit doch Einschränkungen sich am Horizont zeigen, die so ein gestandener Mann erst einmal verkraften muss.

 

Gestanden wie auch zu Hause, wo Kluftinger unter „Hochzeit-Dauerbeschuss“ steht und alle Tricks anzuwenden versucht, auf gar keinen Fall mit diesem furchtbaren Langhammer zu nahe zusammensitzen zu müssen.

 

Da fällt ihm erst gar nicht recht auf, dass sich auch mit seinem Geruchssinn etwas gravierendes geändert zu haben scheint.

 

Launisch, spannend, nicht einfach zu lösen und mit wie aus dem Allgäuer Leben geschnitzten Figuren bieten Klüpfel und Kobr wieder einmal beste, ganz eigene, kreative und anregende Unterhaltung, die gerade weil sie nicht rundweg als Satire konzipiert ist, ihre Wirkung breit entfaltet.

 

Wie immer kann man sich bei allen Haupt- und Nebendarstellern tatsächlich vorstellen, dass es solche Personen gibt, dass Eigenarten wie der Versuch, ständig mit seinem Wissen zu Punkten an allen Orten vorkommen und das tatsächlich ein sensibler Geist dahinter steckt. Zumindest, was diesen Martin angeht.

 

 

Alles in allem einfach gute Unterhaltung, deren Schwerpunkt nicht unbedingt die nervenzerfetzende Spannung ist, sondern der Blick auf einen besonderen Fall und das menschlich-allzu-menschliche.

 

M.Lehmann-Pape 2014