Droemer 2014
Droemer 2014

Volker Klüpfel, Michael Kobr – Herzblut

 

Brutale Morde und gesundheitliche Risiken

 

„Sein Atem ging schwer. Es war, als könnte er auf einmal tief in sich hinein hören. Es half nichts. Er brauchte einen Arzt“.

 

Ist es das Alter? Das Gewicht? Das viele Fleisch? Das Herz?

Kluftinger ist besorgt. So sehr besorgt, dass er seiner Erika gar nicht gram ist, als diese tatsächlich einen Termin beim Arzt für ihn macht.

 

Dass Kluftinger bei diesem Termin ein Telefonat falsch versteht, das allerdings löst eine Welle der Besorgnis und, vor allen Dingen, ein radikales Umdenken in Ernährungsfragen und gesundem Essen (Backfisch eben, soll ja gesund sein, Fisch) bei Kluftinger aus.

 

Sehr zu Irritation seines Teams, aber das hält einen Kluftinger nicht ab.

 

Da trifft es sich gut, dass ein Teil des neuen Falles ihn in eine der bekanntesten Herzkurkliniken der Gegend führen wird. Mittels seiner bekannten Art, um alle möglichen Ecken herum zu denken, hat Kluftinger einen vermeintlichen Tatort am „Teufelssee“ gefunden,

Zwar ohne Leiche, aber mit jeder Menge Blut. Und kann ja nun das berufliche mit dem persönlichen verbinden.

Wobei, ob Joga wirklich der richtige Ansatz ist, den grummeligen und dem modernen Leben leicht (bis schwer) fremden Kommissar zu beglücken?

Das sollte der Leser dann selber in dieser humorvoll gestalteten Sequenz der „Joga-Stunde“ sich zu Gemüte führen.

 

All das lässt zunächst den brutalen Taxifahrer Mord vom Beginn des Buches fast an den Rand der Ermittlungen rücken.

 

Doch diese Häufung brutaler Verbrechen….

Wer Kluftinger kennt weiß, dass der Mann zwar digital völlig unfähig ist, aber eine ausgeprägte Spürnase besitzt und ganz eigene intuitive Ermittlungsmethoden verfolgt. Und sei es auch in seiner lilafarbenen Schlafanzughose morgens gegen halb fünf, nichts hält den Sturkopf ab, wenn er einmal Witterung aufgenommen hat.

 

Neben der eigenen Gesundheit und den obskuren und blutigen Morden muss Kluftinger dabei nebenbei auch noch endlich Bekanntschaft mit dem Vater der japanischen Braut seines Sohnes schließen (wobei diese „Skype-Sequenz“ im Buch zwar mit Slapstickelementen gewürzt ist, doch dennoch eher zu den schwächeren Teilen des Buches ob ihrer massiven Unglaubwürdigkeit gehört).

 

Aktion an allen Fronten, sozusagen. Bis dann mehr und mehr der Fall und die Fälle in den Mittelpunkt der Betrachtungen rücken werden und Kluftinger immer wieder vor überraschenden Wendungen stehen wird.

 

 

Durchaus interessant ist dieser Fall im Buch aufgebaut. Zusammen mit der liebevollen Zeichnung der Figuren und der (teils zu brachialen) Ausweitung auf die (vielen) Eigenarten der Hauptfigur, ergibt sich eine flüssige, humorvolle und in Teilen auch spannende Lektüre, die auch im Blick auf die liebevollen Details um die Personen im Team und im privaten Umfeld Kluftingers  herum gut unterhält.

 

M.Lehmann-Pape 2014