Piper 2011
Piper 2011

Volker Klüpfel, Michael Kobr - Schutzpatron

 

Mord, Burgschatz und ein alter Passat

 

Drei Dinge sind es, die den leitenden Hauptkommissar Kluftinger in Kempten beschäftigen. Von zweien weiß er ziemlich schnell, die dritte Sache wird etwas dauern, bis sie in sein Bewusstsein dringt. Ein Bewusstsein, dass aber auch so bereits vollends ausgefüllt ist, zur Zeit.

 

Kluftinger muss miterleben, wie ihm, der es seit 15 Jahren konsequent es für unnötig hält, sein Auto abzuschließen, der wunderbare, uralte Passat Diesel mit fast 400.000 KM auf der Tachouhr abhanden kommt. Natürlich kann er das nicht sagen, wie stände er vor den Untergeben, den Kollegen, der gesamten Polizei? So legt sich Kluftinger auf die Lauer mit allen Mitteln und Tricks, Autodieben an sich auf die Spur zu kommen und ständig bemüht, sinnige Erläuterungen für das fehlende Auto zu finden. Der Autohändler, der ihm vor 15 Jahren den Passat verkauft hat, ist übrigens der gleiche Mann, der dem damals jungen Polizisten Kluftinger Kenntnis von einem gefundenen Schatz in einer Burgrune gab, ein Schatz, hinter dem in der Gegenwart noch ganz andere Leute her sind, wo er doch nun im Museum ausgestellt werden soll.

 

Zudem muss Kluftinger ganz nebenbei erfahren, das bei einer Vielzahl von Morden in Deutschland diese als Ursache gar nicht erkannt werden ob einer oft fehlenden Leichenschau (1200 Fälle im Jahr, in etwa) und prompt liegt ihm auf einer Bahre eine, in erster Einschätzung eines natürlichen Todes verstorbene, 85jährige Frauenleiche vor Augen, die beileibe nicht auf natürlichem Wege aus dem Leben geschieden ist. Als dann noch der Vorgesetzte Kluftinger in eine Sondergruppe beordert, tanzt er skurrile Hauptkommissar Kluftinger bald auf allen Hochzeiten, mit deutlichen Anzeichen der Überforderung. Als dann noch der „Schutzpatron“ auftritt, der es sich zur Regel macht, seine zu kriminellen Zwecken zusammengestellte Truppe mit Decknahmen von Heiligen zu versehen und den Burgschatz ins Visier nimmt, kommen die Dinge vollends in Fahrt.

 

Vor allem die sorgfältig und durch die Bank hinweg exzentrisch gezeichneten Charaktere sind es, welche die Bücher um Kluftinger herum zum funktionieren bringen. Sowohl die Hauptfigur selber, aber auch alle seine Mitarbeiter, selbst der Vorgesetzte bis hin zur Sekretärin (Kluftinger ist besonders gut darin, in sich versunken selbst wichtigste Momente seiner Getreuen nicht wahrzunehmen, mit deutlichen Folgen für deren Seelenleben). Natürlich ist der Realitätsgrad des Umgangstones, der Dienstbesprechungen und der verschlungenen Pfade im Revier nicht sonderlich hoch (an den entscheidenden Stellen allerdings, wo zum Beispiel einer der Mitarbeiter von einem kleinen Kind spielerisch überwältigt wird oder da, wo die Ermittlungen ernsthafte Wendungen nehmen, zeigt sich durchaus dass die Autoren auch sachgerecht darzustellen wissen, trotz eines ständigen Augenzwinkerns).

 

Diese besondere Atmosphäre in und um die Figuren herum verweben die Autoren wiederum geschickt mit einem zwar absonderlich klingenden, durchaus aber in sich logischen Fall, in dem alles zueinander gehören wird, auch der verschwundene Privatwagen Kluftingers.

 

Ein Buch voller Atmosphäre und mit viel Humor, mit beständiger Situationskomik ohne ins Lächerliche abzudriften, an den entscheidenden Stellen durchaus logisch und folgerichtig konstruiert. Klüpfel und Kobr haben wiederum ein pures Lesevergnügen der anderen Art abgeliefert und zeigen aus dem tiefen Allgäu mit wunderbarem Lokalkolorit, dass Humor und Krimi bestens miteinander funktionieren können.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Volker Klüpfel

 

geboren 1971 in Kempten, aufgewachsen in Altusried, studierte Politologie und Geschichte. Er ist heute Redakteur in der Kultur-/ Journal-Redaktion der Augsburger Allgemeinen und wohnt in Augsburg.

 

Michael Kobr

 

geboren 1973 in Kempten, studierte Romanistik und Germanistik, arbeitet heute als Lehrer und wohnt mit seiner Frau und seinen Töchtern im Allgäu.

 

(Quelle: Piper Verlag)