Berlinverlag 2013
Berlinverlag 2013

William Boyd – Solo

 

Bond in persönlicher Mission

 

William Boyd, vielfach ausgezeichneter schottischer Schriftsteller und ebenso vielfach verfilmter Drehbuchautor, dreht in diesem Buch in bester Weise „die Zeit zurück“.

 

Sowohl, was seine Fähigkeit betrifft, Stil und Duktus Ian Flemings (fast) nahtlos zu übernehmen, auch das Ansiedeln dieses James Bond Romans zeitlich kurz nach dem letzten Roman durch Fleming selbst spiegelt sich im Buch in der bestens getroffenen Atmosphäre des Jahres 1969 eindeutig wieder.

 

Bond feiert seinen 45. Geburtstag. Allein.

Doch schon auf den ersten Seiten (und im weiteren Verlauf des Buches gesetzt), taucht die zu Bond wie eine zweite Haut gehörende „Verehrung des anderen Geschlechtes“ unmissverständlich auf. Eng an Fleming angelegt lässt Boyd beständig nebenbei die Attribute eines „echte Mannes“ nach damaliger Vorstellung einfließen.

 

Durchgehend wird geraucht, besteht das Zwischengetränk aus irgendetwas alkoholischem, ist die Kleidung stets korrekt, die Umgangsformen auch unter Druck höflich, das erotische Glimmern stets vorhanden und die körperliche Durchsetzungskraft  unstrittig. Und dennoch legt Boyd keine stereotype „Kunstfigur“ mit seinem Bond vor. Dieser Bond fühlt, ist innerlich berührbar (im Anblick hoher Not bei Kindern, angesichts von innerer Anziehung, gepaart mit herber Enttäuschung, was Frauen angeht ebenso, wie grundlegende Überlegungen des „Sinns von all dem“ diesem Bond nicht fremd sind).

 

Sein Auftrag zunächst ist, eine Rebellion in Afrika zu destabilisieren. Doch nach diesem Auftrag bleiben für Bond persönliche Rechungen offen. Mit einer Frau, der er überaus nahe gekommen ist (das klassische Bond Girl). Mit einem Söldner, der eiskalt seinen Weg verfolgt (der „direkte“ Gegenspieler) und mit einem Mann im Hintergrund, der leise die eigentlichen Fäden zieht (der „eigentliche“ Gegenspieler). Doch „Gut und Böse“ verschwimmen Bond hier und da vor den Augen, Sinn und Unsinn seines eigenen Parts kann er sich nicht verschließen.

 

So gewappnet in traditionell bester Bond-Systematik bildet Boyd durchweg einen klassischen „Agentenroman“ in dann „auf sich gestellter“, eigener Mission, dar.

 

Klassisch auch in dem Sinne, dass hier nicht rohe Kräfte sinnlos walten (wobei nicht wenige Leichen auftauchen werden), sondern Blendung, Täuschung, Strategie einen ebenso hohen Stellenwert erfahren.

 

„Bond-klassisch“ zu guter Letzt darin, dass Boyd weder die, vor allem aus den späteren Filmen bekannte, Ironisierung wie in den Bond Filmen mit Roger Moore, noch technische Materialschlachten eines „unverwundbaren Bond“ wie in der Pierce Brosnan Ära,, noch zu sehr tiefenpsychologische bis düstere Schwerpunkte wie in den neuesten Bondfilmen ausführt (obwohl eine gewisse Nähe zum aktuellen Bond-Szenario doch am ehesten noch zu spüren ist), sondern sich eng an Atmosphäre und Formung der Figur durch Fleming orientiert.

 

Das wirkt gerade im hervorragenden, teils lakonischen Stil Boyds aktuell und bietet gleichzeitig auch eine Art  nostalgischen Lesevergnügen in der Qualität der originären Bond-Romane. Alles also, was ein Bond-Roman benötigt, um durchgehen zu fesseln.

 

M.Lehmann-Pape 2013