Siedler 2016
Siedler 2016

Alvin E. Roth – Wer kriegt was und warum?

 

Einsichten in die Regeln aller „Märkte“

 

Nobelpreis in Wirtschaft. Fachmann für die Spieltheorie und des „Market Design“, wenn einer die inne liegenden Regeln von Märkten, vom „sich Behaupten des Menschen“ in den „Verhandlungen des Lebens“ um Dinge oder Ziele oder Einfluss sich auskennt, dann ist das tatsächlich Alvin E. Roth.

 

Was nicht nur als Vorschusslorbeeren im Raum steht, sondern was er auch durch dieses sehr lesenswerte, sehr kundige Buch dokumentiert. In dem es letztlich um das Leben an sich geht. Nicht im biologischen Sinne, sondern im „Beziehungsgeschehen“ um das „Handeln“ im doppelten Sinne des Wortes als „aktiv werden“ und als „Geschäfte abschließen“. (im weitesten Sinne des Begriffes).

 

Denn „Märkte sind überall“, das ist, was Roth im ersten Kapitel überzeugend zu Grunde legt. Und das Ganze mit viele praktischen Beispielen und Hinführungen in sehr fließender Sprache zudem noch einsichtig und unterhaltsam darstellt.

 

Seien es „Spendernieren“, die, ob man es will oder nicht, einen „Markt für die Gesundheit“ darstellen oder ob der Luftraum für Flugzeuge eben auch einen eigenständigen Markt darstellt (nicht von der Luft her, sondern vom Raumangebot und den Prioritäten für die Nutzung dieses Raumes). Und auch die Zeit der Passagiere in diesem Flugzeug mit der Spenderniere an Bord ist schon wieder ein Markt, hat ihren Wert und ihren Preis.

 

Was aber nicht einfach materiell zu berechnen und aufzuwiegen ist, das ist der erste Schritt Roths, der den Leser tiefer hineinführt.

„Nichts von alledem bekommt automatisch derjenige, der bereit ist, am meisten dafür zu bezahlen….. In jedem Fall ist eine passgenaue Zuordnung von Nöten“.

 

Ein „Matching“, das im Großen breit stattfindet, dass nun der Leser auch für sich profund reflektieren kann. Um neben den rein materiellen Wert, der lange Zeit als der einzig entscheidende auch für die eigenen Entscheidungen galt, nun die „Passgenauigkeit“ mehr in den Mittelpunkt zu rücken und sich damit, ein Stückweit zumindest, auch frei von aufdrängender Werbung zu machen.

 

Wie nun für das Ziel, das Interesse des einzelnen an einem bestimmten Ding, an einer bestimmten Entwicklung in Partnerschaft, Beruf, Gesundheit, Ausbildung, Umfeld, materielle Güter, Karriere, aber auch die eigene Zufriedenheit sich solche „passgenauen Zuordnungen“ herstellen lassen, wie Märkte „designed“ werden und wie man selbst (in Maaßen) Einfluss darauf nehmen kann, dies stellt Roth umfassend und differenziert im weiteren Verlauf des Werkes dar.

 

„Regeln der Märkte“, auf denen letztendlich „zusammenfinden soll, was zusammen passt“.

 

Wobei Roth anhand von Partnervermittlungen und eines jüdischen Rabbi verdeutlicht, dass dieses „Matching“ von Suchen und Passen lebensentscheidende Bedeutung hat und behalten wird.

 

Über diese „Zuordnungsverfahren“, seien es solche, die sich natürlich heraus entwickeln oder seien es solche, die bewusst gesetzt werden (Markt-Design) findet sich zurzeit sicher kein besser geeignetes populärwissenschaftliches Werk als dieses.

 

Warum Märkte versagen, wie innovativ Märkte beeinflusst werden können (auch „verbotene Märkte“) und wie freie Märkte sich aktuell darstellen und entwickeln werden (eben deutlich mehr hin zu einem „passend“ als zu einem „nur teuer“), all das vermittelt Roth dem Leser verständlich und überzeugend.

So dass am Ende ein echter Informationsgewinn bleibt, der nicht nur dazu verhilft, das „Geschehen an den Märkten“ als Beobachter besser zu verstehen und die jeweiligen inneren Regeln zu erkennen, sondern das eben auch dazu verhilft, mittels der allgemeinen Erkenntnisse aus dem Buch, die eigenen „Märkte“ individuell zu reflektieren und damit die eigenen „Markt-Chancen“ besser einschätzen und steigern zu können.

 

Auch wenn von der Sprache her (Umwandlung eines Produktes in Ware, Marktverdichtung, Umwandlung es Marktes in eine Warenbörse u.v.m.) erst einmal in das eigene, praktische Leben übersetzt werden muss. Roth aber macht klar, dass die „Spielregeln“ des „Markt-Designs“ im Großen wie im Kleinen gleich sind und gleich gelten.

 

 

Eine hochinteressante Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2016