Kösel 2011
Kösel 2011

Andrea Lienhart – Respekt im Job

 

Allseitiger Motivationsschub für Unternehmen

 

Fehlzeiten, Krankheitstage, Demotivation, Innere Kündigung, der Schlagworte und der Folgen sind viele, wenn es um eine von Respektlosigkeit gekennzeichnete Unternehmenskultur geht. Nicht erst seit modern anmutenden „Sklavenverträgen“ unterhalb aller Lebenserhaltungskosten, nicht erst seit breitestmöglicher Ausdehnung von Arbeitszeiten ist das Thema eines respektvollen Umgangs miteinander in Unternehmen ein wichtiges.

 

Andrea Lienhart hat sich in diesem eher schmalen Band nun aufgemacht, „Strategien für eine andere Unternehmenskultur“ aufzuweisen, dabei klassische Probleme zu benennen und gangbare Wege für eine Veränderung zu mehr gegenseitiger Wertschätzung hin zu vermitteln. Getreu der Erkenntnis von Götz W. Werner im Vorwort liegt hierbei die Erkenntnis zu Grunde, dass jeder auf den „Schultern der Gemeinschaft“ steht.

„Arbeit findet gemeinsam mit anderen für andere statt“.

 

Allein schon diese klar formulierte These (besser: Erkenntnis eines Tatbestandes) fordert in der Reflektion überall da ein Umdenken, wo der „Wert“ (die „Leistung“) anderer gerne abwertend betrachtet und behandelt wird. Eine Reflektion, die im weiteren Verlauf des Buches durch die Managementtrainerin Andrea Lienhart im Sinne auch einer persönlichen Weiterentwicklung jedes Lesers weiter voran gebracht wird. Aus den vielfältigen Erfahrungen ihrer Praxis verdeutlicht Lienhart ihre Quintessenz: erst in gegenseitigem Respekt „macht der Job Freude und wird zur Quelle von Zufriedenheit und Glück“.

 

Wie nun aber dies umsetzen? Denn genauso gilt ja die Erkenntnis der Autorin, dass eine Umsetzung noch lange nicht im Raum steht, auch wenn man um die Bedeutung des Respekts weiß. In drei Teilen wendet sich Lienhart dem Thema nun  zu. Zum einen in der Frage des „Respekts sich selbst gegenüber“, zum zweiten in der Frage des „Respekts andern gegenüber“ und zu guter letzt dezidiert in der Frage des „Respekts in den Chefetagen“.

Und dies im Gesamten nicht in theoretischer Form, sondern anhand einer Vielzahl von praktischen Beispielen und Erfahrungen, die einen hohen Wiedererkennungswert in den Raum setzen.

Zudem bietet Lienhart im Buch kein starres Raster, das der einzelne Leser abzuarbeiten hätte, sondern vielfältige Impulse durch das Einbringen ebenso vielfältiger Möglichkeiten, sich „dem anderen“ und „sich selbst“ anders zu nähern, als gewohnt und eingefahren (besonderen Wert legt Sie auf Perspektivwechsel) und bietet hierzu in allen Bereichen einfache und gangbare Möglichkeiten einer Veränderung der eigenen Haltung.

In Teilen auch leicht verblüffend. Natürlich ist es eine Binsenweisheit, die eigenen Schwächen bejahen zu müssen, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Aber Gewohnheit ist es doch sehr, die eigenen Schwächen viel eher zu bekämpfen, vor allem nicht zu zeigen. Wäre hier nicht ein offensiverer Umgang mit den eigenen (vermeintlichen) Schwächen einen Versuch wert, den man sich sogar schuldig ist?

 

Ebenso einfach legt Lienhart das Stilmittel des Tonfalles vor Augen. Auch hier ertappt man sich selbst im Zuge der praxisnahen Sprache der Autorin umgehend dabei, wie leicht es ist, diesen Aspekt des Umganges miteinander unter schon leichtem Stress schleifen zu lassen.

 

Dass es im Gesamten der Autorin nicht nur um eine rein ethische Sichtweise geht, zeigt sie abschließend im Buch. Ein respektvoller Umgang im Unternehmen hat nachweisbar handfeste wirtschaftliche Vorteile.

 

Treffsicher auf den Punkt gebracht legt Andrea Lienhart eine Vielzahl von Einlassungen vor, Respekt (neu) zu erlernen und zu praktizieren. Hier und da verbleibt das Buch ein wenig zu sehr im Appellhaften, bietet im Gesamten jedoch eine reflektierte Darlegung samt guter Anregungen zur praktischen Umsetzung und einer Auflistung des „Gewinns durch Respekt“, der durchaus lesens- und bedenkenswert ist und zudem einfach erprobt werden kann.

 

M.Lehmann-Pape 2011