Carl-Auer 2012
Carl-Auer 2012

Andreas Grellmann – Führung zwischen Hierarchie und Teamorientierung

 

Kompetenzen zur „Gratwanderung“

 

Gründlich und strukturiert wendet sich Andreas Grellmann einer durchaus bedeutsamen Schnittstelle der betrieblicher Führung zu. Die Formen strikt hierarchischer Arbeitstrukturen und Führungssysteme sind bereits seit Längerem im kritischen Fokus und werden fundiert und angesichts der dynamischen und schnellen Entwicklung der Gesellschaft zu Recht grundlegend in Frage gestellt, Dabei weichen diese althergebrachten Strukturen zu Recht mehr und mehr team- und prozessorientierten Führungsstrukturen.

Ein Wandel allerdings, der bei aller Einsicht in die Sinnhaftigkeit nicht immer „einfach so“ vollzogen werden kann und für den es eine Gratwanderung auch braucht eben zwischen klarer Führung und der Stärkung des Teams, zwischen klaren Zielvorgaben und einer offenen Prozessorientierung.

 

Anhand eines konkreten Beispiels eines mittelständischen Produktionsunternehmens dekliniert Grellmann nun den aktuellen Forschungsstand anhand seines  Praxisbeispiels durch und weist vielfältig auf jene Impulse und Entwicklungen hin, die zu einem Gelingen des Änderungsprozesses entscheidend beitragen. Eine Untersuchung, die sich vor allem an jene Adressaten richtet, welche als Schlüsselakteure für den Prozess fungieren sollen (und müssen, so die Veränderung gelingen soll), die Führungskräfte des mittleren Managements.

 

Wie kann ein Unternehmen sich praktisch der Erkenntnis öffnen, das beständig „alles im Fluss“ ist und diese Erkenntnis in die Strukturen und die Kultur des Unternehmens hinein implementieren?

 

So legt Grellmann nach einer ausführlichen, einführenden theoretischen Betrachtung der Organisationen aus der Perspektive der Systemtheorie den Schwerpunkt seiner Darstellung auf die einzelnen empirischen Schritte des Wandels von Struktur und Kultur zu einer teamorientierten und prozessoffenen Unternehmensstruktur. Eine Struktur, die flexibel genug ist, „das für die Bewältigung ständig komplexer werdender Problemlagen erforderliche Know-How stetig zu mobilisieren“ (Wimmer 1999 im Buch).

 

Fundiert gibt Grellmann in seiner Untersuchung Antworten und Impulse für die Bedingungen und Möglichkeiten der Veränderung von Organisationen an die Hand. Von der Entscheidungsübernahme zur Implementierung notweniger Kommunikationswege zwischen Bereichsleitern, Mitarbeitern und Bereichen hin zu kooperativen Arbeitsformen und möglichen Stolpersteinen, findet der interessierte Leser auf, sprachlich wie inhaltlich, hohem, wissenschaftlichem Niveau eine detaillierte Begleitung, Eine Schilderung und Auswertung eines konkreten Veränderungsprozesses, von dem aus sich allgemeine Regeln und Impulse für eigene Prozesse leicht ableiten lassen.

 

Das hierzu eine gründliche Visions- und Strategiearbeit gehört, eine arbeitsfähige Steuerungsgruppe und projektbezogene Teambildungen versteht sich fast von selbst, wird aber im Buch noch einmal in den notwendigen Bedingungen konzentriert dargestellt.

 

Andreas  Grellmann legt eine gründliche und hilfreiche „Fallbeschreibung“ zu einem wichtigen Thema der Veränderung von Führungsstrukturen in Unternehmen vor, mittels derer er nicht nur den möglichen Weg einer solchen Veränderung beschreibt, sondern auch die zu Grunde liegenden Motive für eine solche Veränderung argumentativ überzeugend darlegt.

 

M.Lehmann-Pape 2012