Droemer 2014
Droemer 2014

Andrej Holm – Mietenwahnsinn

 

Staatliche Versäumnisse fordern poltische Reformen

 

Auch wenn Andrej Holm (natürlich) in seinen Eingangsschilderungen drastische (und damit in Teilen auch polemische) Beispiele wählt und eben noch lange nicht jeder Hundebesitzer auswandern muss oder jeder Student nur noch auf Feldbetten nächtigen kann, den Finger in eine seit langem schwelende Wunde legt Holm durchaus.

 

Denn jeder Bürger des Landes kann ja seit Jahren bereits mit verfolgen, wie nicht nur der „Betonboom“ die Preise für Wohneigentum stetig und massiv steigen lässt, sondern ebenfalls bekannt sind Gentrifizierungen in den beliebten Metropolen, steigende Mieten wo es möglich ist, kaum mehr für den Durchschnittsverbraucher bezahlbarer Wohnraum u.v.m.. Nicht umsonst hat die Politik zumindest im letzten Wahlkampf das Thema Wohnraum und vor allem das Thema Mieten zu einem der vordergründigen Themen gestaltet.

 

Zudem aber lenkt Holm den Blick des Lesers auch auf jene Seiten des „Miet-(Un-)Wesens“, in dem ganze Siedlungen aus pekuniärem Interesse dem Zerfall anheim gegeben werden, zugesagte Sanierungen nur mangelhaft oder gleich erst gar nicht durchgeführt werden.

 

Beide Aspekte, Sanieren wo möglich, Leerräumen wenn nötig auf der einen und Verfall (gegen dafür immer noch gute Miete) auf der anderen Seite, sind für Holm zwei Seiten der letztendlich gleichen Medaille: einer Verkettung zwischen Politik und Immobilienwirtschaft für beidseitig maximal kurzfristig „gute Geschäfte“.

 

Städteplanung mit Augenmaß und auf lange Sicht hin, politische Rahmungen für einen in bestimmten Gebieten stark steigenden Bedarf und für einen nachlassenden Bedarf in anderen Regionen sieht Holm als nicht gegeben und damit als größtes politisches Versäumnis nach der zunächst beendet scheinenden Wohnungsproblematik bis zu den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts und dann noch einmal mit Anstrengung nach der Wende 1989, was Immobilien im Osten Deutschlands angeht.

 

Wie aber selbst der oft gerufene „soziale Wohnungsbau“ Mittel der Wohnungsbauförderung verfremdet und auf Dauer „in die falschen Taschen“ schiebt (durch eine nur mehr „soziale Zwischennutzung“), das ist schon erkenntnisreich im Buch zu lesen.

 

Ebenso, wie Holm verständlich und in einfachen Erläuterungen dem Leser die grundlegenden Züge des Systems, mittels Immobilien Geld (und zwar nicht allzu selten sehr viel Geld) zu verdienen, vor Augen führt.

 

Ein Buch somit mit durchaus informativen und teils nicht breit bekannten Informationen und Erläuterungen, dass sicherlich konsequent einseitig das Thema aufnimmt und verfolgt, aber gerade in dieser Zuspitzung den Finger auf eine weit offene Wunde der Gesellschaft legt. Denn wäre kein Problem im Raum, würden einen von Holm dargestellten Inhalte auch nicht in dieser Form so realistisch skandalös vorkommen. Selbst wenn er sehr einseitig Spitzen der Missstände betont und seine konstruktiven Anregungen gerade einmal 3 der knapp 190 Seiten ausmachen.

 

Eine durchaus lesenswerte Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2014