J.B.Metzler 2017
J.B.Metzler 2017

Catrin Misselhorn / Hauke Behrendt ( Hg.) – Arbeit, Gerechtigkeit und Inklusion

 

Impulse für eine soziale und solidarische Gesellschaft

 

Klar und deutlich benennen die Herausgeber das Ziel dieser Untersuchung und vielfachen Betrachtung der Verbindung von Arbeit, Gerechtigkeit und Inklusion. Eine Zielsetzung, die angesichts einer immer deutlicher erkennbareren Spreizung des „Anteils“ an Arbeit und materiellen Ressourcen auch in den westlichen Gesellschaften inhärent vorliegt, an Geschwindigkeit zunimmt und Spaltungen hervorruft, die ebenfalls an Deutlichkeit und Geschwindigkeit zuzunehmen scheinen.

 

„Dadurch sollen konzeptionelle und theoretische Grundlagen sowie gesellschaftliche Perspektiven für eine gerechte und inklusive Arbeitswelt geschaffen werden“.

 

Die ungleiche Verteilung von Vermögen steht dabei zunächst eher außen vor. Was eine nachvollziehbare Entscheidung ist, denn die Grundlage des „Schaffens“ einer Gesellschaft ist immer noch und zuvorderst die Arbeit, die geleistet wird. Hier den Blick noch einmal und klar zu schärfen für die „Bedeutung der Arbeit für das individuelle gute Leben und das Zusammenleben in der Gesellschaft“ tut aktuell not bei sichtbarer, ungleicher und daher nicht-inklusiver Verteilung der Arbeit, vor allem aber im Blick auf die zu erwartenden Entwicklungen der Arbeitswelt in der Zukunft bietet das Werk eine fundierte Form der Vorbereitung durch Leitlinien an Werten, um gegen ein weiteres Zerreißen der Inklusion innerhalb der Gesellschaf tim Blick auf eine „Industrie 4.0“ Grundlagen der Steuerung der Entwicklung herauszuarbeiten.

 

Entwicklungen, die, auch das ein Gewinn der Lektüre, vielfache Assistenten und Möglichkeiten zur Inklusion ja auch schaffen könnten. Richtig eingesetzt, sind moderne technische Hilfsmittel geradezu eine Voraussetzung, auch behinderte Menschen eine gelichwertige Teilnahme an der Arbeitswelt zu ermöglichen.

 

Gut geordnet bearbeiten die vielen Autoren und ihre Beiträge im Buch fünf wesentliche Bereiche des Themas.

 

Zunächst wird die aktuelle Bedeutung der Arbeit differenziert beleuchtet und in solide Thesen gefasst. Die Spaltung findet dabei hier ebenso ihren Platz, wie die konstruktiven Perspektiven (und Gefahren) für Menschen mit und ohne Behinderung durch die Digitalisierung der Arbeitswelt. Mit ebenso klarem Blick für die „strukturellen Probleme des Systems“, zu dem „Ausgrenzung“ als grundlegende Folge kapitalistischen Wirtschaftens zunächst einmal dazugehört. Wo sind die „Grenzen der Arbeit“ und wie könnten diese, inkludierend, anders gesetzt und verschoben werden? Fragen, auf die das Werk keine endgültige Antwort bereithält, sich diesem Spannungsverhältnis aber offen stellt.

 

Was im zweiten Hauptteil praktisch wird, wenn die Inklusionsforschung in den Mittelpunkt gerückt wird und damit Grundlagen der Zivilisation und der zwischenmenschlichen Zusammenarbeit benannt werden. Auch dies Felder, in denen die aktuelle Zeit eher auf ein „auseinanderdriften“ hinsteuert, senn auf eine breite inkludierte Haltung. Warum dieser Ausschluss „schlecht“ ist und was daran geändert werden könnte wird in diesem Teil breit vor Augen geführt. „Dass soziale Exklusion, wo sie drastische Formen annimmt, zu einer Zerreißprobe moderner Gesellschaften werden kann“.

 

Ein Gedanke, der im folgenden dritten Hauptteil konkretisiert wird im breiten Blick auf die besonderen Probleme der Inklusion von Menschen mit Behinderung. Die Gegenüberstellung von Werten der „Anerkennung und Freiheit“ gegenüber dem Fetischismus der reinen Effizienz beleuchtet das grundsätzliche Spannungsfeld der Arbeitswelt, nicht erst in der letzten Zeit.

 

Was im Übrigen, wie die Autoren im vierten Teil des Werkes herausarbeiten, nicht nur eine moralische Kategorie darstellt, sondern in einem konkret gesetzten, mit klaren Zeilen versehenen, rechtlichen Rahmen stattfindet. Ein Rahmen, der ganz eigene Spannungen und Reibungen in sich selbst aufweist, die in den Beiträgen explizit herausgestellt werden. Was darüber hinaus im Rahmen der Globalisierung viel weitergehende Notwendigkeiten der Betrachtung von Inklusion nach sich zieht, als nur in der „kleinen Welt“ vor Ort möglich wären.

 

So wundert es nicht, dass realistisch im Werk eingeschätzt wird: „Die Versöhnung der drei Elemente Arbeit, Gerechtigkeit und Inklusion kann allenfalls partiell du immer vom Scheitern bedroht, gelingen“.

 

Und dennoch bietet der Band vielfache Hinweise und eröffnet Möglichkeiten eines Prozesses hin zu einer gerechten und inkludierenden Arbeitswelt, betont aber überzeugend und einsichtig, dass dafür innere Widerspräche im politischen Rahmen, im gesellschaftlichen Verständnis und in der Ausrichtung der Arbeitswelt rein auf höchstmöglichen, effizienten Profit hin zu verändern sein werden. Wofür die Beiträge im Werk genügend drängende Gründe und genügend Denkanstöße liefern.

 

 

Eine nicht einfach zu lesende, aber wichtige Erhebung zum Status Quo, zu den Gefahren und den Möglichkeiten der „Umlenkung“ angesichts einer sich spaltenden (Arbeits-) Welt.

 

M.Lehmann-Pape 2017