Gabler 2008
Gabler 2008

Daniel Dietzfelbinger – Unternehmensethik

 

Werte der Wirtschaft

 

Viel wird aktuell darüber diskutiert, wenig erkennbar ist eine Ausrichtung der Unternehmen nach ethischen Grundsätzen. Raffgier, Eigensinn, Lösung von der restlichen Gesellschaft, dies sind zur Zeit viel eher die Stichworte, die in der Öffentlichkeit im Blick auf Wirtschaftsunternehmen und deren Management fallen.

 

Bereits 2007 hat Daniel Dietzfelbinger mit seinem Buch einen durchaus fundierten und ernst zu nehmenden Beitrag zur Diskussion eingebracht, der auch heute noch Beachtung verdient. Deswegen verdient, weil er auf den gut 330 Seiten seiner Betrachtung einen wesentlichen Punkt als roten Faden herausarbeitet, der oft beim rein kurzfristigen Gewinndenken nicht beachtet wird. Letztlich bedeutet Ethik eben nicht, „auch noch“ ganz human zu denken, sondern, vor allem, langfristig durchaus erfolgreich zu wirtschaften aufgrund einer ganzen Reihe von Folgen, die eine ethische Grundüberlegung und Ausrichtung für das Unternehmen im Blick auf Mitarbeiter- und Kundenbindung nach sich zieht. Langfristerfolg gegen Kurzfristgier ist das eigentliche Thema des Buches.

 

Mehr Kunden gewinnen, motivierte Mitarbeiter  erleben, aufgrund guter Reputation nachhaltige Erfolgsfaktoren mit einbeziehen in die Unternehmensführung, das sind jene nachhaltigen Werte, die aus einer ethischen Grundhaltung des Wirtschaftens entstehen und letztlich tatsächlich dann bares Geld wert sind. So betont Daniel Dietzfelbinger zu Recht bereits in der Einführung, dass ein Unternehmen mit ethisch wünschenswerten Verhaltensweisen eine multiple Win-Situation herzustellen vermag, die ökonomischen, sozialen und ethischen Gewinn nach sich zieht.

 

Da Ethik generell keine a priori Wertsetzung herstellt, sondern immer wieder von überzeugten Menschen in leitenden Positionen erkannt und umgesetzt werden muss, bietet das Buch eine theoretisch fundierte und praktisch gut umsetzbare Handreichung zum Wirtschaften im Sinne des, nun auch in der öffentlichen Diskussion immer deutlicher als Zielvorstellung benannten, alten Begriffes eines „ehrbaren Kaufmanns“. 

Ehrbares Verhalten schafft Vertrauen und Vertrauen spart in erheblichem Maße Transaktionskosten. Ethik ist kein abstraktes Theoretisieren an Akademien, sondern ein handfester ökonomischer und sozialer Faktor.

 

Logisch aufeinander folgend beschreibt Daniel Dietzfelbinger zunächst die Verflechtung der Ethik in wirtschaftliche Fragen hinein und benennt die Handlungsorte wirtschaftlicher Ethik. Eine grundlegende geschichtliche Betrachtung ethischer Hauptströmungen folgt. Allein dieses Kapitel lohnt bereits den Kauf des Buches, denn in knapper, aber nicht verkürzter Weise werden hier die heute noch auch politisch maßgeblichen ethischen Denksysteme in einem fundierten Überblick dargestellt.

Auf der Basis dieser grundlegenden Klärungen entfaltet Daniel Dietzfelbinger mögliche ethische Grundhaltungen im Blick auf ihren Sinn und ihren Nutzen auf individueller Ebene, unternehmerischer Seite und auf der Ebene der Wirtschaft im Allgemeinen. Den Abschluss des Buches bildet eine hilfreiche praktische Orientierung für Umsetzungen ethischer Kernsätze im alltäglichen wirtschaftlichen Leben.

 

Sprachlich jederzeit leicht verständlich und gut lesbar, selbst bei komplexesten ethischen Systemen und Begriffen nicht in Abstraktionen verfallend, ist gerade diese enge Verbindung zum praktischen Handeln und der einsichtige Nachweis des Nutzens der Ethik eine der großen Stärken des Buches.

Überzeugend argumentiert wird der Sinn und die Notwendiger ethischer Überlegungen und ethischer Handlungen für eine prosperierende Wirtschaft und ein funktionierendes soziales System eindrücklich in den Raum gesetzt.

 

Gerade im Blick auf die aktuelle Lage einer vermeintlich allgemein nur mehr rein egozentrischen Handlungsweise der Unternehmensführungen bildet das Buch einen wichtigen Beitrag und eine breit angelegte Betrachtung zur (Neu-) Entdeckung und Umsetzung wesentlicher Werte als Eckpfeiler wirtschaftlichen Handelns.

 

M.Lehmann-Pape 2010