Droemer 2011
Droemer 2011

Dirk Müller - Cashkurs

 

Klar, verständlich und direkt

 

Als „personifiziertes Gesicht“ der Börse, als „Mr. Dax“ ist Dirk Müller seit Jahr und Tag bekannt. Nicht von ungefähr ist gerade er es in Person, der zur Zeit von einer Talk-Show zur nächsten gereicht wird. Und dort jedes Mal aufs Neue nachweist, dass er eine klare Sprache zu sprechen versteht, dass er nicht bereit ist, sich dem Finanzkauderwelsch unterzuordnen mit dem einzigen Ziel, das Publikum „irgendwie “ zu beruhigen. „Transparenz“ ist der Begriff, den Müller sich mit auf die Fahne geschrieben hat.

 

Einer, der sich durchaus mit offenen Worten auch gegen Banker richtet und keine  Hehl daraus macht, dass dieses aktuell sich zuspitzende System es auch gar nicht verdient hat, Bestand zu haben. Der von einer „notwendigen Umverteilung von oben nach unten“ spricht.

 

Dies alles ist umso bemerkenswerter, als Müller ja Teil des Systems ist. Zugegeben, ein sehr unabhängiger und auf seine Unabhängigkeit bedachter Teil. Einer der wenigen Broker, dem man glaubt, dass er selber einen großen Bogen um all die „Nebelkerzen“ der Börse macht, mit welchen in letzten Jahren einerseits schwindelerregende Gewinne auf der einen und andererseits immense Verluste auf der andern (überwiegenden) Seite generiert wurden.

 

Wie nun fast „alles mit allem“ zusammenhängt, wie die Finanzwirtschaft mit der realen Wirtschaft verzahnt ist (teils eben auch in unguter Weise), all dies legt Müller unter anderem offen vor die Augen der Leser und schafft damit erst einmal eine Basis des Verständnisses für die Finanzwelt und das mögliche eigene „beste“ Agieren innerhalb dieser Welt.

Beginnend mit einem „Basiswissen für Einsteiger“ mitsamt den ganz eigenen Möglichkeiten eines Haushaltsbuches, vom guten alten Sparen „bevor man kauft“ über eine Durchforstung der eigenen Versicherungen bis hin zu Planungshilfen für Finanzeinsteiger stellt sich der erste Teil des Buches dar.

Für „Fortgeschrittene“ geht es dann weiter (nachdem man das Basiswissen verstanden und umgesetzt hat). Hier liegt ein Schwerpunkt auf dem Verstehen von Investmentfonds, aber auch, warum Gold und Silber nicht schaden oder wie man Bankgebühren beim Börsenhandel durchaus sparen kann.

 

Durchaus zu Feinheiten und zur „hohen Schule“ geht Dirk Müller dann im Kapitel „Finanzplanung für Profis“ über. Finanzierungen, Bausparen, wie eine AG überhaupt funktioniert und wo die Börsenkurse „herkommen“, Kennzahlen kennen lernen und Aktienstrategien erlernen, weitgehend alles ist zu finden, was für den „normalen Anleger“ einerseits an Wissen notwendig ist, andererseits aber auch an der Notwendigkeit, Gefahren und Tricks zu erkennen (und zu meiden).

 

Und das alles in klarer Sprache, verständlich und ohne Zurückhaltung. Wenn Müller Henry Ford zitiert („Wenn die Menschen unser Geldsystem verstehen würden, hätten wir die Revolution noch morgen früh.“), dann ist dies ein Programm direkt für das Buch. Denn nach der Lektüre versteht man zumindest weitaus mehr vom Geldsystem auch in seinen perfiden Ausformungen als vor der Lektüre.

 

Müller schafft Transparenz, enttarnt die „Bluffs“ der Glücksspieler an der Börse und bietet mit seinem Buch einen wichtigen Baustein für ganz normale Menschen, nämlich ein Verstehen der Finanzwirtschaft. Mit dem Ziel, dieses Finanzwirtschaft in „guter Form“ nun nutzen zu können. Müller bleibt in keiner Weise bei einfachen Plattitüden und Anwürfen gegen „die da“ (wer auch immer) stehen, sondern bietet vielfache Instrumente für den eigenen Umgang mit seinen Finanzen, auch wenn diese nicht in erklecklicher Höhe bereit stehen. Einen  Umgang auf dem Hintergrund nun des Wissens über den „Casinobetrieb“ Börse auch, über politische Verbindungen, Rating Agenturen, über kommende Mächte wie China und durchaus düstere Aussichten für „alte Mächte“.

 

Dirk Müller legt einen flüssig zu lesenden und leicht verständlichen „Reiseführer“ durch die Finanzwirtschaft vor, der einerseits das System mit seinen Notwendigkeiten, Möglichkeiten, aber auch risikobehafteten bis hin zu kriminellen Auswüchsen darstellt, auf vielfache Verbindungen innerhalb des Systems und zwischen Staaten und System verweist und zu guter Letzt dem Leser Tipps und eigene Strategiemöglichkeiten an die Hand gibt. Eines der verständlichsten und besten Bücher zur Finanzwirtschaft auf dem Markt.

 

M.Lehmann-Pape 2011