Gabler 2008
Gabler 2008

Gerhard Schwarz – Führen mit Humor

 

Mehr als nur ein Witz

 

Das allgemeine Verständnis von Humor erschöpft sich oft in Betrachtung von Witzen oder Comedians, vom schenkelklopfenden Brüller bis hin zum feinsinnigen Lächeln reicht dann dort die Bandbreite.

 

Dass Humor zum einen trainierbar ist und zum anderen eine wesentliche Komponente von Leitungskompetenz sein kann (und das in umfassenderer Hinsicht als nur als vermeintlich witziger Auflockerung einer Vorstandssitzung), das legt der Unternehmensberater und Trainer Gerhard Schwarz nun bereits in der 2. Auflage in einer gründlichen Handreichung vor.

Eine lange Erfahrungsgeschichte hat er mit dem Thema, bereits seine Dissertation verfasste er zum Thema „Humor und Angst“.

 

Humor ist dabei in seinen Augen weit mehr als ein Scherz. Bis hin zur Verbindung mit der christlichen Haltung eines liebevollen Miteinanders spannt er die Bandbreit der Einsatzmöglichkeiten des Humors. Humor verbindet, letztlich ist dies seine Kernbotschaft und jene Fertigkeit, zu der er hinführen möchte.

 

Im Aufbau führt er zunächst die Stellung und den Stellenwert des Humors in der modernen Gesellschaft aus, bevor er einen Blick in die Philosophiegeschichte wirft, um die Formen des Komischen deutlich voneinander abzugrenzen.

Ironie, Parodie, Spott, Hohn, Schadenfreude, Sarkasmus und Zynismus, deren Grenzen oft im Alltag verschwimmen, werden hier klar definiert und voneinander abgegrenzt, die Stärken und Schwächen beleuchtet und Verwendungsmöglichkeiten in den Raum gestellt.

Dieser Teil des Buches ist gut gelungen.

 

Im eigentlichen Hauptteil schärft Schwarz die Bandbreite der motivierenden Wirkung von Humor. Gerade in der Einlassung zum Thema „Tadeln mit Humor“ wird überdeutlich, wie ein Führen mit Humor in bester Weise motivierend und dennoch korrigierend gelingen kann. Der entsprechende Tadel wird nicht schwächlich unter den Tisch fallen gelassen, die humorvolle Wendung ermöglicht dem Kritisierten allerdings ebenso, den Tadel annehmen zu können.

 

Humor, richtig dosiert und angewendet, zieht positive Folgen nach sich.  Die Angst vor Autoritätsverlust hat zwar eine gewisse Berechtigung, bei der Beachtung einiger elementarer Grundregeln wird der Humor aber nicht ausufern. Das alles sind wichtige Informationen.

 

Ein Humortraining schließt sich an, welches in komprimierter Form, wie der Rest des Buches auch, gewürzt mit vielfachen Beispielen, den Weg zur je passenden Form des Einsatzes von Humor aufzeigt. Allerdings überschreitet Gerhard Schwarz doch mehrfach die Grenze zum Übertriebenen, eher witzelndem denn Witzigem.

Dennoch, auch wenn es  auf den ersten Blick befremden mag, Lachen zu trainieren und so manches im Buch suboptimal dargestellt wird, auf den zweiten Blick wird deutlich, dass darin eine sinnvolle Erweiterung der eigenen, kommunikativen Möglichkeiten liegt.

 

Abgeschlossen wird das Buch von einer Betrachtung des Humors in religiösen, mythischen und literarischen Traditionen. Dieser Teil ist sicherlich bei Interesse anregend zu lesen, das Eigentliche zum Thema ist aber in den vorhergehenden Teilen bereits gesagt.

 

Eine interessante Erweiterung kommunikativer Möglichkeiten gerade im Bereich der Führung von Mitarbeitern mit einer Vielzahl von  Anregungen und Beispielen zur praktischen Nutzung. Locker und verständlich, natürlich mit Humor,  geschrieben. Nicht immer den rechten Ton treffend, aber das ist ja letztlich Geschmackssache.

Manches wirkt ein wenig zu übertrieben positiv dargestellt. Mit Humor kann man durchaus auch bloßstellen, Lächerlich machen oder den notwendigen Ernst in manchen Situationen in unguter Form stören. Diese Stilfragen kommen zu kurz.

Dennoch aber durchaus eine empfehlenswerte Lektüre, die verdeutlicht, dass eine beständig bierernste Haltung selbst der Förderung von Sachfragen eher abträglich ist.

 

M.Lehmann-Pape 2010