Carl-Auer-Verlag
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Lars Stein – Managementpraktiken unternehmerischer Nachhaltigkeit

 

Nachhaltigkeit stellt die Sinnfrage

 

Obwohl der Begriff „Nachhaltigkeit“ seit Jahren bereits in aller Munde ist, ist und bleibt er doch seltsam unbestimmt. Sicher schwingen positive Grundintentionen im Begriff mit, aber was genau Nachhaltigkeit in sich fasst, bleibt doch oft der Einzelinterpretation überlassen.

 

Lars Stein hat in seiner nun vorliegenden Dissertation sich in differenzierter und äußerst gründlicher Weise dem Begriff der Nachhaltigkeit genähert. Hierbei wendet er sich zum einen der aktuellen Debatte in der Managementwirtschaft zu, wie er zudem zum anderen in der Auseinandersetzung mit Luhmann, Latour, Heintel und Dingler deren sozialwissenschaftliche Reflektionen der Nachhaltigkeit aufnimmt und mit der wirtschaftlichen Diskussion abgleicht.

 

Diese theoretischen Betrachtungen gleicht er sodann auf empirischer Ebene im Rahmen des praktischen Verständnisses und der praktischen Umsetzung in verschiedenen Unternehmen ab, die explizit für sich eine Arbeit im Blick auf systematische Nachhaltigkeit postulieren.

 

Interessanterweise kommt Stein zu dem Ergebnis, dass mit der Frage der Nachhaltigkeit letztendlich die Sinnfrage unternehmerischen Handelns verknüpft ist. Nicht nur im Rahmen seiner Argumentation erscheint dies folgerichtig, schon allein bei einer einfachen Betrachtung von Unternehmenszielen verknüpft sich die Frage der Nachhaltigkeit in vielerlei Dimensionen mit der Frage der unternehmerischen Zielausrichtung. Nachhaltigen Erfolg wollen alle Führungskräfte der Wirtschaft. Dies nun allerdings mit der sozialwissenschaftlichen Frage nach einer lebenswerten Welt in größerem Maßstab als nur im Blick auf den Erfolg eines einzelnen Unternehmens zu verknüpfen, dafür steht der Ansatz Lars Steins in bester Weise.

 

Mehr noch, es gelingt ihm durchaus, aufzuweisen, dass Interessen eines Profit Unternehmen, so diese wirklich auf nachhaltigen Erfolg für das Unternehmen hin ausgerichtet sind, durchaus eng verbunden sind mit einer allgemeinen sozialen Wertschöpfung und nachhaltiger Verankerung in den Interessen der Gemeinschaft. Mithin also sind solche Unternehmen dauerhaft erfolgreich, die in ihre Strategie auch die soziale Frage mit einfließen lassen.

 

So ergibt sich fast zwangsläufig die zusammenfassende Forderung des Buches, eine systematisch verankerte kommunikative Öffnung des Managements für grundlegende Sinnfragen zu installieren, deren Zielrichtung weit über kurz- oder auch nur mittelfristige konkrete Unternehmenszielsetzungen im Blick allein auf das eigene Produkt reichen.

 

Gut gelöst ist in der Form die Zweiteilung der Dissertation, die ihren ersten Teil mit einer verständlichen Zusammenfassung beendet, in der der Begriff der „Nachhaltigkeit“ gründlich geschärft und in ihrer prozessorientierten Dynamik dargestellt wird, bevor im zweiten Teil die empirischen Auswertungen zum Tragen kommen. In diesem Teil zeigt Stein zudem, der aktuellen Diskussion um die Finanzwirtschaft zuträglich, mit zwei Fallstudien zu Unternehmungen gerade dieser Finanzwirtschaft (Forma Futura und GLS Bank) durchaus geglückte Beispiele nachhaltigen Arbeitens auch in diesem Bereich auf.

 

Strikt wissenschaftlich konzipiert ist Dissertation kein Buch für zwischendurch. Es bedarf einer gründlichen Erarbeitung des Buches und einer Auseinandersetzung mit dem Thema, um Steins Argumente nachvollziehen und in ihrer Einsicht dann würdigen zu können. Eine Vielfalt von Impulsen für eine mögliche und notwendige Veränderung vorliegender Managementpraktiken liegt dann allerdings vor, die einer praktischen Umsetzung zugeführt werden können. Lars Stein leistet mit seiner Untersuchung einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Debatte um die zukünftige notwendige (und mögliche) Ausrichtung wirtschaftlich umfassend nachhaltigen Arbeitens. Eine überzeugende Dissertation auf jeden Fall, wenn auch nicht für die breite Leserschaft geeignet, sondern sich wendend an  die weitere Forschung einerseits und die Managementebene in Unternehmen andererseits

 

M.Lehmann-Pape 2010