C.H.Beck 2016
C.H.Beck 2016

Mark Spoerer – C&A

 

Interessante Wirtschaftsgeschichte mit Blick je auch auf das Umfeld

 

„Die im Kleiderhandel tätigen Unternehmer realisierten schnell, dass hier ein Markt entstanden war, auf dem man Größenvorteile nutzen konnte“.

 

Dies geschah zu Beginn der 1840er Jahre und entstand aus der sich industrialisierenden Herstellung von Kleidung als genormter Massenware für das Militär. Im Verbund mit proportionaler Ausgenneigung für Kleidung an sich war es somit nur eine Frage der Zeit, bis Unternehmer im großen Stil Kleidung als Massenware „an den Mann und die Frau“ bringen wollten und konnten.

 

Gründer mit der ersten Stunde waren dabei in den Niederlanden Clemens © und (&) August (A) Brenninkmeijer, die ab 1911 auch auf dem deutschen Markt expandierten und später ebenfalls in Großbritannien steigende Präsenz zeigten.

 

Mark Spoerer (der sein Werk zunächst mit einem allgemeinen Blick auf die Stellung zur Kleidung in vorindustrieller Zeit beginnt und damit bereits klarstellt, dass er durchaus, neben der engeren Familien- und Konzerngeschichte, auch die allgemeinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen mit in den Blick zu nehmen gedenkt) vollzieht in diesem Werk im engeren Sinne die Geschichte der Familie und der Firma in der, 1911 beginnend, „deutschen“ Entwicklung nach.

 

Vom Aufstieg (bis 1918) über die „Zwischenkriegszeit“ mit ihrem, auch für C&A problematisch spürbaren, wirtschaftlichen und gesellschaftlichem „Auf und Ab“, dann (sehr spannend in den entstehenden Reibungen) die Existenz als „niederländisch-deutscher“ Konzern in den Kriegsjahren (durchaus mit Wehrmachtsaufträgen ausgestattet), das „Golden Age“ des Hauses zwischen 1945 und 1961 zeigt Spoerer nachvollziehbar strukturiert und detailliert auf, bevor er im letzten Teil des Werkes die Entwicklung in den Jahrzehnten nach 1061 einerseits wirtschaftlich nachzeichnet, andererseits gerade hier die Besonderheiten des Hauses aufzeigt.

 

Wie wird die Nachfolge in diesem Unternehmen geregelt, dass sich selbst bereits von Beginn an eine ganz eigene, von „Hausregeln“ gestaltete Binnenkultur aufgebaut hatte. Wie werden Führungskräfte intern aufgebaut und geschult? Wie funktioniert das interne „System Brenninkmeijer“ und wie verhält sich diese individuelle Haltung zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur allgemeinen Entwicklung in der Gesellschaft.

 

Wie hier die überaus enge, stringente Bindung an den katholischen Glauben die Nachfolgefrage familienintern allein schon durch Kinderreichtum erleichtert (je mehr Personen zur Verfügung stehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit auf Wirtschaftskompetenz und Führungskraft).

 

„In Übereinstimmun mit der Familien- und Sexualmoral der katholischen Kirche waren die Brenninkmejers auch für zeitgenössische Verhältnisse sehr fruchtbar“.

 

Dies gepaart mit einer sehr strukturierten, sehr strikt beachteten schulischen und praktischen Ausbildung (bis in die 90er Jahre hinein allerdings nur der Söhne), führt bis in die Gegenwart zu „stabilen Verhältnissen“ zumindest der Familienhierarchie im Unternehmen, auch wenn die Methoden und Managementstil im Lauf der Jahre doch auch von außen beeinflusst wurde.

 

Hierzu gehört auch die von der Familie mitfinanzierte Rektoratsschule in Mettingen eine bedeutende Rolle.

 

Teil der Ausbildungsmethode, auch für externe Führungskräfte, ist zudem eine enge Bindung über lange Zeit hinweg an bereits tätige Führungskräfte aus der Familie.

 

So legt Spoerer einen umfassenden und detaillierten Blick auf die konkrete Geschichte von Familie und Unternehmen vor, die sprachlich allerdings eher sehr sachlich und „trocken) beschreibend daherkommt. Insgesamt somit eher eine sachliche „Dokumentation“ darstellt denn eine romanhafte Nacherzählung der Konzern- und Familiengeschichte.

 

 

Für Interessenten am konkreten Unternehmen mit seiner doch au0ergewöhnlichen inneren Struktur und Werteleiter ist dieses Werk ein Gewinn, aber auch von Interesse für jeden, der an der wirtschaftlichen Entwicklung gerade des Segments der Kleidung Interesse hat.

 

M.Lehmann-Pape 2016