Orell Füssli 2013
Orell Füssli 2013

Martin Wehrle – Anständig Karriere machen

 

Es braucht nicht die harten Ellbogen

 

Gut, dass im Titel des Buches mit dem Wort „anständig“ bereits auf den Duktus des Buches hingewiesen wird. Der Untertitel nämlich, „Wie sie nach oben kommen und trotzdem sie selbst bleiben“ hat leider einen etwas verwischenden Charakter.

 

Egomanen, Intriganten, Choleriker, solche, die andere nieder machen, auch die könnten ja, dem Untertitel nach, zu Recht zunächst behaupten, ganz „bei sich selbst zu bleiben“, wenn sie ihre destruktiven Strategien intensiv nutzen, um „nach oben“ zu kommen.

 

Und ein Zweites wäre zu Beginn kritisch anzumerken und festzuhalten. Es braucht nicht unbedingt eine berufliche „Karriere“, um im Leben „nach oben zu kommen“. So durchaus konstruktiv vieles im Buche sich darstellt (und es ist eine gute Sache, hier andere Wege für einen beruflichen Aufstieg vermittelt zu bekommen), auch Wehrle vermittelt letztlich doch, dass es ein wichtiges Ziel ist, eine Karriere zu starten und so weit als möglich auch erfolgreich nach oben zu gehen. Nicht generell aber haben ein erfülltes Leben und eine berufliche Karriere symbiotisch etwas miteinander zu tun.

 

Im Rahmen seiner Vorgaben nun aber bietet Martin Wehrle eine gut recherchierte und anregende, konstruktive Lektüre. Das es eben nicht der Weg zu beruflichem Erfolg ist, sich einfach nur „anzutrainieren“, was in einer Firma wohl erwartet wird und dann nur noch „so zu tun“, als würde man die Erwartungen erfüllen, um die nächst höhere Stelle zu ergattern.

 

„Karriere ist doch wie Evolution. Wer sich seiner Umwelt nicht anpasst, geht unter“.

So meinen viele, so stimmt es einfach nicht und dies legt Wehrle aus seiner Praxis als Coach auch überzeugend argumentiert dar.

Viel eher gilt, dass eine Karriere nur dann für alle Seiten zufriedenstellend ihren Weg gehen kann, wenn die eigenen Stärken und Schwächen im Blick sind, wenn Mühe aufgewendet wird, den „richtigen“ Ort für die eigenen Möglichkeiten zu finden und wenn dann noch diese in einer konstruktiven Atmosphäre mit Überzeugung und gerne eingebracht werden.

 

„Echtheit statt Bühnenschauspiel“, das ist eines der wesentlichen Credos von Martin Wehrle und es gelingt ihm nachhaltig, die Wichtigkeit dieser Grundhaltung nachzuweisen. Glaubwürdigkeit und eine Übereinstimmung der Person in privater und beruflicher Ausrichtung, dies sorgt auch im Blick auf eine Karriere für Nachhaltigkeit. „Skrupellose Rambos“ steigen unter Umständen schneller auf, stürzen aber auch oft intensiv wieder ab. Auch dies ist eine durchaus richtige und wichtige Beobachtung für all jene, deren Ehrgeiz sich auf berufliches Vorankommen richtet.

Wobei natürlich gilt, dass „anständig nicht töricht“ bedeutet, man nicht naiv vorgehen muss, sondern durchaus vorbereitet und reflektiert vorbringt, was in der jeweiligen Situation wichtig ist. Es geht nicht um ein ständiges „sein Herz ausschütten“, es geht aber auch nicht um das Gefühl, sich oft „verbiegen“ zu müssen um Fremderwartungen vermeintlich zu erfüllen.

 

Alles in allem erfrischend anders und Schritt für Schritt geht Wehrle im Buch die „Schlüsselsituationen des Karrierewegs“ ab, von der Einstellung über die Positionierung, vom Selbstmanagement bis zur Personalverantwortung und legt seinen „anständigen“ Weg jederzeit erkennbar und überzeugend dar. Und dies durchaus erkennbar praxisbezogen mit vielen Tipps für konkrete Situationen.

 

M.Lehmann-Pape 2013