Tectum 2012
Tectum 2012

Matthias Weik, Marc Friedrich – Der größte Raubzug der Geschichte

 

Fundiertes und kritisches Finanz-Sachbuch

 

Was ist eigentlich Geld und wie entsteht es, respektive, woher erhalten eigentlich die Banken ihr Geld?

 

Das sind die Einstiegsfragen in diese umfassende, fundierte und sehr nachvollziehbar in Sprache und Form Betrachtung der Autoren. Eine Betrachtung, die zwar die Finanzkrisen der letzten Jahre zum Anlass nimmt, aber sich darauf nicht beschränkt , sondern einen weiten, sehr grundsätzlichen Bogen um die Probleme des Geldes und der (böswillig) „ungerechten Verteilung“ desselben schlägt. Was sich phasenweise dann wie ein Thriller liest, bietet sich umfassend gut recherchiert und aufeinander bezogen als ein Bild der Wirklichkeit des Geldes und des Finanzwesens dar, das den Leser nur mehr erschreckt und verärgert zurücklässt.

 

Nicht ob des Buches, sondern ob der darin geschilderten Erkenntnisse.

 

Allein schon dem Weg der Finanzwirtschaft nachzufolgen, zu sehen, wie sehr hier „Partys auf Kredit“ in bester Laune gefiert werden und, vor allem, wie sehr die politische Rahmensetzung alle Signale auf „freie Fahrt“ ohne Rücksicht auf Verluste der Bürger gesetzt hat, ist kaum zu glauben.

 

Allein schon die Einlassungen zu vielfachen Deregulierungen, bis hin zu den „neuen Bilanzregeln“ für Banken lassen gar keinen anderen Begriff als den des „legalen Betruges“ zu, den die Autoren für dieses Vorgehen finden.

 

Ein Zustand, eine „Wirtschaftsordnung“ deren Perversität sich allein schon darin ausdrückt, dass hier ganz und gar nicht konstruktiv die Wirtschaft, das Wohl der Firmen und der Gesellschaften im Blick steht, sondern nur die reine Vermehrung eines Profits. Und zwar gewusst und gezielt zum Schaden anderer.

„Die Spekulanten profitieren von dem Finanzprodukt, wenn einem das Haus abbrennt. Auf diesem kranken Prinzip basieren zahlreiche Produkte der Finanzbranche“.

Naheliegend ist dann doch, zu vermuten, dass jene Spekulanten, die sich mit entsprechenden Kreditausfallversicherungen eingedeckt haben, so ziemlich jede Schraube versuchen zu drehen, die zum eigenen Erfolg und damit zum Misserfolg des anderen führt.

 

Ein krankes System ist es, wenn man die Ausführungen der Autoren nachvollzieht und diese spiegelt am kulturellen und gesellschaftlichen Ziel einer Welt, die nicht unbedingt alle gleich versorgen kann und muss, in der aber zumindest Fairnis und Chancengleichheit anzustreben wären. Das Buch öffnet überzeugend die Augen dafür, dass ein konstruktives Miteinander auf diesem Planenten von den entscheidenden Kräften für die Verwaltung und Nutzung der Finanzmittel weder umgesetzt noch angestrebt wird. Und dies geschieht nicht in polemischer Weise, sondern wird von den Autoren sachlich erwiesen und schlüssig argumentiert. Genauso, wie die fundamentale Kritik gegen den Euro sachlich und nicht überzogen im Buch vorliegt. Wie auch die Tatsache, dass auf den Aktienmärkten beileibe kein „freies Spiel der Kräfte“ herrscht, sondern nach Herzenslust Kurse manipuliert werden.

 

Ein Finanzsystem, dass gezielt und nachweisbar die produktiven Bürger immer höher belastet und sich dort die „Beute“ holt, letztlich einfach gestohlen wird unter Komplizenschaft der Rahmen gebenden politischen Kräfte (in „alternativloser“ Politik, wie es heißt).

 

„Weshalb wird immer noch nichts geändert? Ganz einfach, weil die Profiteure des Systems alles dafür tun, damit sich nichts ändert“.  Und das noch nicht einmal allzu verdeckt, dafür aber sehr erfolgreich, wie das Buch nachweist.

 

Neben diesem sicherlich erschreckenden, aber fundiert dargelegten Hauptteil der Betrachtungen bieten die Autoren, zum Glück, auch konstruktive Möglichkeiten an, das eigene Kapital sinnvoller zu nutzen und zu schützen, als es über langfristige „Spekulationen“ (wozu auch Riester u.a. gehören) „denen da“ weiter zur Verfügung zu stellen.

 

Eine klare, verständliche und umfassende Betrachtung einer aktuellen Finanzwirtschaft, gegen die Raubritter des Mittelalters doch recht humane und zahme Gesellen waren. Unbedingt empfehlenswert für ein tieferes Verständnis dessen, was vorgeht und für den Blick auf den Schutz des eigenen Geldes.

 

M.Lehmann-Pape 2013