Bastei-Lübbe 2014
Bastei-Lübbe 2014

Matthias Weik und Marc Friedrich – Der Crash ist die Erlösung

 

Kluge Darstellung

 

Hatten die beiden Autoren in ihrem letzten Buch dem Leser fundiert und überzeugend „die Augen geöffnet“ über den aktuellen Zustand der Finanzmärkte und der modernen „Wirtschaftsordnung“, legen sie in diesem Werk quasi die Forstsetzung dieser Erkenntnisse vor.

 

Nach der grundlegenden Beschreibung eines „kranken Systems“ in Form eines umfassendes „Raubzuges“ der „Umverteilung“ vom „normalen Bürger“ hin zu den Finanzakteuren, werden in diesem Werk die Folgen dieses „Ist-Zustandes“ ebenso fundiert, differenziert und überzeugend argumentiert dem Leser vor Augen geführt.

 

Mit einem Teil an Wiederholung und erweiterten Blicken nach Europa und auf die Welt finden sich im überwiegenden Teil des Buches weitere Analysen zur Lage. Ohne Polemik, immer sachlich und mit Argumenten statt Plädoyers arbeitend, stellen die Autoren die „Krisengewinner“ heraus (die interessanterweise, wen wunderts, auch zugleich die Krise verursacht haben) und werfen einen sehr intensiven (und in Teilen erschreckenden, dennoch belegbaren) Blick auf den Zustand in Deutschland (nur vermeintlich die Insel im Sturm, denn „die Fundamente bröckeln“).

 

Allein das Kapitel „Banken statt Bildung“ zeigt nicht nur auf, welche hohen Summen hier „verschoben“ werden, ohne dass das Sozialwesen davon auch nur im Geringsten profitieren würde, sondern legt den Finger noch auf zwei ganz andere Wunden. Zum einen wird am Beispiel der „Bildung“ sehr deutlich aufgezeigt, dass dort die gesellschaftlich wesentlich konstruktiver anzulegenden Mittel eben nicht angelangen. Und dahinter schwingt natürlich, wie im gesamten Buch, deutlich mit, dass dies ja nicht „vom Himmel fällt“. Sondern das genau jene politischen Kräfte, die seit Jahren den Begriff „Bildung“ wie eine Gebetsmühle vor sich her tragen und hier dem Bürger das „wichtigste Gut des Landes“ vor Augen stellen wollen, eben auch jene Kräfte sind, deren Deregulierungen und Rettungen und ganz praktische Finanzpolitik ursächlich für die „falsche Adresse“ eines hohen Teils der Steuergelder und Bürgschaften verantwortlich sind.

 

Im folgenden erweiterten Blick auf Europa und die „Global Player“ finden sich Seite für Seite „Gesetzesbrüche und Lügen am laufenden Band“, werden Immobilienblasen (England), „unheilbare Krankheiten“ (Spanien) und, vor allem, schon einmal die „Crash-Erprobung“ (Zypern) ruhig und sachlich behandelt. Die USA ständig am Rande der Insolvenz und nur durch finanzpolitische Tricks und „Flutung durch Geld“ wirtschaftlich noch „am Leben“. Japan in Kamikaze-Manier unterwegs, Szenarien, die „Enteignungen, Zwangsabgaben und Inflation“ nicht erst an den Himmel einer späteren Zukunft malen, sondern die real bereits stattgefunden haben (Schuldenschnitt) oder gerade stattfinden, wie Weik und Friedrich sachlich und überzeugend ausführen.

 

Bei der reinen Analyse nun bleibt dieses Buch nicht stehen (da hätte auch fast das vorhergehende Werk ausgereicht, auch wenn in diesem Buch interessante Erweiterungen des damaligen Befundes und weitere Schwerpunkte hinzutreten).

 

Wie man das eigene Vermögen, das eigene Geld angesichts dieses modernen „Raubzuges“ schützen kann, welche Initiativen und Wege dem einzelnen im Dickicht der Derivate, Anleihen und Aktien konstruktiv zur Verfügung stehen, auch davon berichtet dieses Buch informativ und sachgerecht. Aber, und das spricht für die Seriosität der Autoren, einfache Lösungen finden sich nicht. Konzentriert herangehen heißt es, ob Kapitalanlagen, Aktien, Immobilien, Gold und/oder Silber, Investitionen in erneuerbare Energien, selbst Whisky als Wertanlage findet hier seine Erwähnung, wie auch Sammlungen (sprich u.a. der Kunstmarkt) oder auch virtuelle Währungen.

 

Ein Risiko, eine Volatilität verbleibt bei all diesen Möglichkeiten, dennoch ist dieser Teil des Buches praktisch sehr hilfreich angelegt, da hier eine Reihe von Ideen (und deren Durchführung) vorliegen, die ansonsten nicht unbedingt im breiten Fokus stehen.

 

Wobei, im Gesamten und Fazit der Gedanken (im letzten Kapitel), die Autoren in einem „vor die Wand fahren“ dieses nur mit Mühe, Tricks, Lügen und Verschiebungen aktuell aufrecht erhaltenen Systems letztlich zwar eine massiv belastende, aber doch unausweichliche und in der Logik auch konstruktive Möglichkeit verorten. Um ein nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzsystem anzugehen, Währungen zusammenzuführen, ein radikales Umdenken in der Krise zu initiieren, dazu benötigt es drastischer Schritte und drastischer Rahmenbedingungen. Von sich aus wird sich zumindest keiner der Profiteure des aktuellen Systems bewegen. Warum auch?

 

 

Informativ, sachlich, überzeugend, ungeschminkt, wie bereits das Vorgängerbuch bietet auch „Der Crash ist die Lösung“ eine intelligente Offenlegung eines Wirtschafts- und Finanzsystem, in dem alle Zeichen auf Scheitern stehen und das „Schlingern“ immer deutlicher zu erkennen ist. Ergänzt mit hilfreichen Möglichkeiten, für sich selber tätig zu werden.

 

M.Lehmann-Pape 2014