Gabler 2010
Gabler 2010

 

Reinhard Grimm, Ewald E. Krainz – Teams sind berechenbar

 

Visualisierung sozialer Aspekte in Teams und Gruppen

 

Im Mittelpunkt des gerade einmal knapp 130 Seiten schmalen Buches steht die, von Reinhard Grimm 2008 entwickelte, Methode der Sozialen Impuls Analyse (SIA). Ein Modell, dass es dem Anwender erlaubt, anhand konkret vorliegender Ausgangskonstellationen in Arbeitsteams, künftige Entwicklungen zu prognostizieren. Durch die zielgenaue Analyse des Ist- Zustandes einer Gruppe ist es möglich, zielgerichtet mögliche Problemfelder anzugehen und effektiv zu bearbeiten, so dass das die Kommunikation im entsprechenden Team im Sinn einer erfolgversprechenderen Zusammenarbeit verbessert werden kann.

 

Der besondere Vorteil des SIA besteht im weiteren darin, dass nicht nur eine Art Karte des Ist – Zustandes als Ergebnis sichtbar im Raume steht, sondern die Dynamik des Systems damit anschaulich in den Raum tritt. In der Folge kann nun an den entscheidenden Schnittstellen angesetzt werden und durch recht einfache Mittel der Kommunikation oder der Veränderungen Konflikte entschärft und aufgelöst werden. Gut gelöst ist ebenfalls die klare Erkenntnis des Buches, dass es nicht um die Reduktion auf einzelne Personen gehen kann (gerne in der Praxis im Raum, einzelne als Verantwortliche für Probleme zu kennzeichnen, manchmal fast zu brandmarken), sondern die Autoren weisen deutlich nach, dass immer das dynamische System einer Gruppe als Ganzes zu betrachten und zu bearbeiten ist (und zeigen auch auf, wie das ginge). Ebenso wichtig ist ein Hinweis, der bereits am Anfang des Buches klar im Raume steht. Es geht bei der SIA nicht um eine Methode der Manipulation oder strikten Kontrolle anderer Menschen. Ohne die konstruktive Mitarbeit des anderen und der Gruppe wird dieses konstruktive Kommunikationssystem nicht funktionieren. Kooperation ist somit auch auf der Leitungsebene als Haltung notwendig.

 

Im Aufbau des Buches liegt zunächst eine Darstellung des Standes der Forschung im Blick auf die Berechenbarkeit sozialer System und der Gruppendynamik für die Führungs- und Beratungspraxis vor. (Allein für diesen knappe, aber verständlich geschriebene und nachvollziehbare Darstellung lohnt der Kauf des Buches bereits).

 

In den folgenden Kapiteln wird dann die SIA zunächst grundlegend methodisch vorgestellt, bevor eine Schritt für Schritt Anleitung zur Umsetzung in die unternehmerische Praxis erfolgt, die mit vielen Beispielen angereichert wurde (dies ist auch nötig, denn ein gewisses Abstraktionsvermögen braucht es durchaus, um den theoretischen Ausführungen zu folgen und die verbal geäußerten sozialen Aspekte in ein Berechnungsmodell einbringen zu können).

 

Der thematische Schwerpunkt liegt im Buch deutlich auf der Erfassung sozialer Systeme. Damit ist allerdings oft schon viel gewonnen. Etwas schmaler sind die Einlassungen der Autoren zum Vorgehen im Blick auf ganz praktische und pragmatische Veränderungen schwieriger Interaktionsmuster in Teams und Organisationen, dennoch aber bietet das Buch auch hier manch hilfreichen Hinweise.

 

Die vorgestellten Inhalte bedürfen einer sorgsamen Erarbeitung, „Einfach so“ ist die vorgestellte Methode weder zu verstehen noch anzuwenden. Diese Beschäftigung allerdings lohnt sich durchaus, denn mittels der SIA ist es durchaus möglich, meist unbewusst vorliegende und häufig sogar geleugnete Probleme der Verhältnisse zueinander, der Störungen in der Kommunikation und in den sozialen Aspekten eines Arbeitsteams plastisch sichtbar und damit effektiv bearbeitbar zu gestalten.

 

M.Lehmann-Pape 2010