C.H.Beck 2013
C.H.Beck 2013

Timothy Guinnane u.a. – Die Geschichte der DZ Bank

 

Von den Gründervätern bis in die Gegenwart

 

Knapp 500 Seiten, ein breiter Anhang und ein ebenso breites Literaturverzeichnis verdeutlichen schon in der äußeren Form die Gründlichkeit des vorliegenden Werkes. Sehr sorgfältig, in Teilen aber auch sehr kleinteilig, vollziehen die Autoren die Geschichte der „dezentral organisierten deutschen Genossenschaftsbanken“ nach, die in ihrem Entstehen u.a. eng verbunden ist  mit dem Namen Friedrich Wilhem Raiffeisens und seiner Erkenntnis:

 

„Was dem einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele....“.

 

Eine Geschichte, die aber letztlich aber auf einer „ganzen Bewegung“ gemeinschaftlicher Banken beruht, deren Zentralinstitut die DZ heute darstellt,

Eine Bankgeschichte, eine Darstellung auch der Entwicklung der Finanzwirtschaft über 150 Jahre hinweg und zudem auch eine Geschichte gesellschaftliche Veränderungen, die sich in der Geschichte der Genossenschaftsbanken widerspiegelt, die im Buch Schritt für Schritt von den ersten Ideen an in ihren Entwicklungen bis zur Gegenwart hin nachgezeichnet wird.

 

Eine Geschichte mit überraschenden Wendungen, mit Reibungen, menschlicher Größe und menschlichem Versagen, mit Krisen und durchaus auch Machtkämpfen, die zwei Dinge vor allem aufzeigt: zum Einen, „das es geht“, die Zusammenarbeit eines Zentralinstitutes mit den Genossenschaftsbanken an der Basis, und zum Zweiten, dass eine solche Kooperation sich immer auch erst finden und bewähren muss, in ihrer Rahmenfindung einen offenen Prozess darstellt und mit Umwegen und Irrungen durchaus versehen ist.

 

Eine einfache Lösung für die gesamte Finanzwirtschaft, „einfach“ auf dezentrale Banken in  Verbindungen mit einem zentralen Institut „umzustellen“, findet sich im Beispiel der DZ Bank nicht und wird auch im Buch nicht einfach so abzuleiten sein. Dennoch fasziniert diese „Bankgeschichte“ und die Grundideen, die hinter den genossenschaftlichen Banken stehen durchaus gerade in der aktuellen Situation, denn es wäre ein Modell, sich massiven Krisen durch Verwerfungen vielleicht  erst gar nicht schutzlos auszusetzen.

 

So ist es durchaus interessant, die „Bewährungsprobe“ der Deutschen Zentralgenossenschaftsbank im Rahmen der allgemeinen Bankenkrise seit 2008 und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit gerade in der turbulenten Phase der Krise im Buch nachzulesen. Eine Neustrukturierung, die als Programm des „Building DZ-Bank“ erfolgreich bis dato auf den Weg gebrachte und als „Bündelung der Kräfte“ hier durchaus Vorbildcharakter in sich trägt. Fast ein wenig Kurz schienen hier zum Ende des Buches hin die Einlassungen zu sein, während doch im Blick auf die Geschichte der Bank an sich häufig durchaus kleinteilig eingegangen wird.

 

Immer aber bewahren die Autoren einen sachlich-nüchternen Ton. Weder eine Verherrlichung des genossenschaftlichen Systems findet im Buch statt, noch eine prinzipiell kritische Haltung ist abzulesen. Fakten sind es, welche die Autoren dem Leser (in weiten Teilen allerdings ziemlich trocken in Form und Stil) vor die Augen legen und diese immer in Verbindung mit der „allgemeinen Lage“ zu bringen verstehen. Weder Fehlentwicklungen noch persönliche Fehlentscheidungen noch Erfolge des Zentralinstitutes werden dabei verschwiegen.

 

In der Struktur gehen die Autoren hierbei chronologisch vor. „Gründerzeit“ (Ausbreitung genossenschaftlicher Banken im 19. Jahrhundert), „Dualismus“ (Preußenkasse als Vorläufer der DZ und Entwicklung der Dreistufigkeit des Genossenschaftsbankwesens unter auch der Krise der Inflation bis fast zum Zusammenbruch der Preußenkasse), „Vereinigung in der Diktatur“ (mit der Haltung einer „Loyalen Distanz“ zum Regime, dennoch aber natürlich dem Versuch des „Gewinns“) und dem, nach dem Krieg folgenden, „Aufbaus einer Universalbank“.

 

Zu all diesen historischen Abläufen finden sich im Buch fundierte Beiträge, die im Gesamten ein klares Bild der Geschichte und Entwicklung der DZ bieten, und die es auch nicht versäumen, die Geschichte der DZ mit der wechselhaften wirtschaftlichen und politischen Geschichte zu verbinden.

 

Wer den trockenen Ton und die Darstellung vieler Fakten nicht scheut, wird in diesem Buch eine umfassende Darstellung des „anderen“, gemeinschaftlichen Bankwesens in Deutschland finden, die sehr informativ im Buch daherkommt.

 

M.Lehmann-Pape 2013