Expert 2013
Expert 2013

Vivien Gröning, Kirsten Sass – Wege nach dem Abi. Woman @Work

 

Erfolgreich in den Beruf und erfolgreich im Beruf

 

„Die Frauenquote“  ist als Thema seit längerem auf der Agenda, versprüht aber in ihrer häufig theoretischen Diskussion oft den Charme alter Katheder, ohne wirklich etwas zu bewegen oder der Realität nahe zu kommen. Das Entfalten besserer Rahmenbedingungen für die Erleichterung einer Berufsausübung für Frauen mit Kind oder Kinderwunsch nimmt da schon konkretere Formen an, auch wenn auch dort noch vieles ebenfalls im Argen liegt.

 

Wie aber geht das praktisch? Was für Wege sind möglich für Frauen nach der schulischen Ausbildung? Welche werden wirklich gegangen und, vor allem, welcher Umgang, welche Skills,  nimmt Hindernisse konstruktiv aus dem Weg?

 

Gröning und Sass haben sich aufgemacht, in diesem Buch reinweg von der Praxis zu berichten und denkbare theoretische Überhöhungen, aber auch Allerweltsfloskeln und dogmatische Verengungen hinten an zu stellen.

 

22 konkrete Leben sind es, die sich mit ihren beruflichen Entscheidungen und der „Praxis bei der Arbeit“ zu Wort melden. Ganz unterschiedliche Frauen mit ganz unterschiedlichen Zugangsweisen, die allerdings eines vereint:

 Alle 22 Frauen haben Lust an ihrem Beruf, tragen erkennbar Motivation und Leidenschaft in sich.

Was zwar vor Fehlentscheidungen nicht völlig absichert, immerhin aber eine solide Grundlage darstellt, sich im beruflichen Leben je für sich auch „richtig“ zu entscheiden.

 

Wobei, der Titel bereits verweist auf diese Einschränkung, im Buch die „höhere Bildung“ (auch wenn diese immer breitere Kreise zieht) vorrangig im Blickpunkt steht.

 

So finden sich Geschichten von einer Professorin, Pilotin, Intendantin, Politikerin des Bundestages, Vorstandsmitglied etc., sprich, von Frauen die in an sich bereits herausragender und / oder als „höherwertig“ ihren beruflichen Weg „gemacht“ haben.

 

„Viele Wege führen nach Rom“ (wenn man dahin möchte), so könnte man die Essenz aus den verschiedenen Geschichten ziehen.

Es gibt nicht die eine Methodik, die zu lernen wäre, möchte man als Frau nach dem schulischen (guten) Abschluss in eine Karriere einsteigen. Vom Physikstudium mit Promotion, vom Psychologiestudium mit Promotion, von der Tanzausbildung in Amerika bis zur erfolgreichen „Lebenslehre“ als Einkäuferin oder der Kriminaloberkommissarin sind es verschiedene Persönlichkeiten und verschiedene Wege, die gegangen wurden.

 

Im Übrigen auch aus verschiedenen privaten Lebensumständen heraus. Ledige Frauen kommen ebenso zu Worte, wie Mütter, Anfängerinnen ebenso, wie im Beruf schon lange gestandene Frauen.

 

Wobei deutlich wird, dass (nicht in allen, aber vielen der Lebensgeschichten) bereits früh im Leben Ziele sich andeuteten und teils sehr beharrlich, auch gegen Widerstände, verfolgt wurden. Vielleicht ist das der eigentliche Schlüssel zu einem erfüllenden Berufsleben, zu einer Karriere.

Mittels echter  Erfahrungen,  Blicken über den Tellerrand (viele der Frauen im Buch haben Auslandserfahrungen gesammelt) und Klarheit für sich zu klären oder zu spüren, was der eigene Weg sein könnte und diesen dann konsequent auch zu versuchen. Trotz so mancher „Mauern“ in der jeweiligen Berufswelt (ja, die auch von Männern hier und da bewusst gezogen wurden) scheint dies ein wichtigeres Moment für den eigenen Weg und die Vereinbarkeit von Leben und Beruf bei Frauen zu sein, als es reine Quoten erreichen könnten.

 

 

Interessant zu lesende „Berufsgeschichten“ verbinden sich in diesem Buch mit Ausblicken und Hinweisen in den einzelnen Darstellungen, die wichtige Impulse zur eigenen Entscheidungsfindung auf Seiten der Leser und Leserinnen in sich tragen. In der Form ein wenig Gewöhnungsbedürftig bietet „Wege nach dem Abi“ spannende Einblicke und handfeste Anregungen für junge Frauen auf dem Weg in und durch den Beruf.

 

M.Lehmann-Pape 2014